Mittlerweile sind wir schon fast eine Wochein Nordamerika. Da wir meistens entweder kein (genügendes) Netz oder zu wenig Zeit hatten, gibt es jetzt einen "Wochenrückblick" mit etwas mehr Lesestoff...
Di, 18.8.2015 (Fortsetzung)
Flug nach Halifax
Die Flüge mit Icelandair waren ganz ok. Die Sitze sind
nicht übermässig breit, aber wenigstens hat man genug Beinfreiheit. Softdrinks
sind inbegriffen, Alkoholisches und auch das Essen müsste man kaufen. Aber da
wir ja im Flughafen Züri gemütlich gegessen hatten, können wir das grad noch
verschmerzen.
Nach rund 3 Stunden landeten wir bei starkem Wind auf Island.
Den Wind (inkl. Regen) bekommen wir nicht nur beim Landen mit, sondern auch
beim Transfer zum Gate, da wir mit dem Bus fahren dürfen. Auf dem Weg treffen
wir ein Schweizer Ehepaar, das hier 10 Tage mit einem gemieteten Golf ihre
Flitterwochen verbringen möchte (seine Vorgabe war „sich 360 Grad drehen und
nichts Menschliches sehen“…).
Keflavik Airport hat nach einer Tafel 2014 eine Auszeichnung für den besten Flughafen
der Welt erhalten, aber wir fragen uns doch, wie das gegangen ist… Fairerweise
muss man sagen, dass der Flughafen gerade in Renovation oder Umbau begriffen
ist, was das Bild sicher auch ein bisschen verfälscht. Imerhin sind die wenigen Läden recht schön und wir gehen kurz schauen (u.a. 66th North).
Nun haben wir doch
etwas Hunger und vor allem viel Zeit, drum gehen wir ins „Mathus“, wo man
Sandwiches und Salate und auch etwas Warmes (Hamburger, Pizzas u.ä.) haben
könnte. Leider war vor allem mein Salat schon stark am Kompostieren (obwohl er
noch bis am 21. zu verkaufen gewesen wäre…) und wir sind froh, dass wir uns
nicht den Magen verdorben haben.
Der Flug von Reykjavik nach Halifax hat sich dann eher gezogen. Wir glauben,
das grösste Problem für uns war der Lärm. Diese „kleinen“ Flieger (Boeing
737-200) sind wohl einfach lauter als die grossen und dazu sassen wir fast
zuhinterst. Wir waren jedenfalls froh, als wir dann endlich in Halifax gelandet
sind.
Ankunft in Halifax
Bei der Einreise hat die uniformierte Dame festgestellt, dass wir – entgegen
unserer Deklaration – in Form unseres verschifften Autos ja „unaccompanied
goods“ mit hätten und deshalb noch am Zoll vorbei müssten (wir hatten
dummerweise etwas mit der Dame geplaudert…). Nachdem wir fast als erste
unsere Koffer vom Band nehmen konnten, hat sie uns freundlich zu den gestreng
dreinblickenden Officers am Zoll begleitet. Diese haben dann sehr schnell
festgestellt, dass ihre Kollegin etwas übereifrig war, da sie das Auto am
Flughafenzoll ohne die entsprechenden Einfuhrpapiere (die wir erst morgen bei
der Reederei bekommen) nicht „freigeben“ können (verzollen müssen wir es ja
sowieso nicht, da es nicht in Kanada bleibt).
Immerhin sind wir vor lauter Auto drum rum gekommen, unsere Koffer zu öffnen. Es wäre wohl etwas mühsam geworden, die Metall-Spacer und drei neue Ölfilter zu erklären...
Als wir gegen neun Uhr aus dem Flughafengebäude treten, glauben wir, dass sich das Flugzeug verflogen hat. Es haut es uns fast um! Hier herrscht ein Klima wie im Regenwald! Dabei sind wir doch in Kanada!
Da der Flughafenbus erst um zehn fahren würde, nehmen wir uns ein Taxi
zum
"The Prince George Hotel", das wir schon von zuhause aus gebucht hatten
(stark vergünstigt). Dort werden wir freundlich empfangen und der nette
Herr an der Rezeption
gibt uns ein Upgrade, weil wir das erste Mal in Kanada und in Halifax
sind. –
Wir bekommen eine Suite mit Blick auf den Hafen, „damit wir morgen den
Sonnenaufgang bewundern können“.
Die Suite ist super ausgestattet – unter anderem mit einer Badewanne mit
Jacuzzi – und wir bedauern nur, dass wir dieses Logis so gar nicht ausnutzen
können: obwohl ein entspannendes Bad sicher schön gewesen wäre, sind wir so
fertig, dass wir gleich ins riesige Bett fallen.
Mi, 19.8.2015:
Halifax-Upper Sackville
Auto-Abholung
Wir haben herrlich geschlafen und freuen uns nochmals über die schöne
Suite. Das einzige, was nicht geklappt hat, ist der Sonnenaufgang: als wir um
halb sieben aufstehen herrscht dicker Nebel.
Dafür ist das Zmorge wunderbar und wir essen uns einmal quer durchs Buffet.
 |
| Die Aussicht "auf den Hafen mit Sonnenaufgang"... |
Nach dem Zmorge Gepäck einstellen und
per pedes
zur Reederei, wo schon zwei Deutsche auf dem Weg nach Panama (mit VW T5
Multivan mit Euro5!!!) und ein Franzose auf dem Weg nach Kanada/USA warten
(übrigens war der Standort auf der Seabridge-Karte falsch eingezeichnet, aber
die Adresse hat ja gestimmt).
 |
| Alt und neu... |
Die beiden Damen im Büro waren sehr freundlich und die
ersten Formalitäten schnell erledigt. Dann wieder zu Fuss zum Zollbüro, wo wir
– nach ein paar Fragen nach Essen, Alkohol und Waffen sowie vorgesehener
Aufenthaltsdauer (man darf nicht länger als 30 Tage am Stück bleiben) den
ersehnten Stempel bekommen haben. Die Deutschen haben den öffentlichen Bus
genommen, der dort irgendwo fahren soll, aber wir haben uns dann doch ein Taxi
geleistet, da es erstens wieder sehr heiss war – mittlerweile hat sich der Nebel
fast ganz aufgelöst – und wir nun wirklich Sehnsucht nach unserem Häuschen
hatten.
 |
| Die Macdonald-Bridge taucht aus dem Nebel auf. |
Vom Parkplatz aus haben wir bereits unser Auto erspäht, dass hinter einem
doppelten Zaun auf uns wartet!

Zuerst mussten wir aber ins Security-Büro, wo
unsere Personalien aufgenommen wurden und wir Warnwesten bekamen. Erst dann
wurden wir zum eigentlichen Büro auf dem Hafengelände chauffiert. Dort wieder
etwas Papierkram, bevor wir endlich in Begleitung zu unserem Auto durften. Die
Dame sollte mit uns schauen, ob alles in Ordnung ist. Da sie aber
gleich wieder weggerufen wurde, sollten wir selber schauen. Alle Türen waren mit Zollklebern versiegelt bis auf die Beifahrertüre, worauf
Ozy den Fehler machte, diese zu öffnen, um einen vorsichtigen Blick ins Innere
zu werfen. Es ging keine halbe Minute, bis ein Herr angebraust kam und uns sehr
deutlich darauf aufmerksam machte, dass das Auto immer noch im Besitz und in
Verantwortung des Hafens sei und wir deshalb nicht das Recht hätten, auch ins
Innere zu gucken. Er war zunächst etwas aufgeregt, hat sich dann aber wieder beruhigt
und schliesslich sind wir drei richtig nett ins Gespräch gekommen. Es stellte
sich heraus, dass er sehr viel reist und wohl mehr von Europa gesehen hat als
Ozy und ich zusammen… Nachdem wir dann – wieder im Büro – erklärt haben, dass
aussen alles so zerkratzt und verbeult sei wie zuvor und wir das letzte
Einfuhr-Dokument erhalten haben, durften wir dann endlich das Auto wieder in
Besitz nehmen.

Ozy setzt sich voller Freude hinters Steuer, dreht den Zündschlüssel, es hustet – und wird wieder still.
Irgendjemand
hat wohl den Schlüssel einen Zacken zu weit zurück gedreht gehabt
(Radiobetrieb/ACC) und so die Batterie leergesaugt.
Der freundliche Herr ist gleich wieder zur
Stelle (der Franzose hat an seinem Wohnmobil auch schon die Motorhaube offen…)
und informiert uns, dass er uns wohl überbrücken helfen könne,
das aber nicht dürfe, da hier die Mechaniker gewerkschaftlich organisiert seien…
So müssen wir also noch die Mittagspause abwarten, bis endlich die Mechaniker
angefahren kommen und den Motor andrehen.
Nun geht es endlich los!!!
 |
| Fahrt durch Halifax |
 |
| Los geht's! - Über die Macdonald-Bridge. |
Wir fahren über die Macdonald-Bridge und Richtung Nordosten, wo wir erst mal
den Walmart aufsuchen, der in der Seabridge-Doku aufgeführt war. Zunächst
decken wir uns mit ein paar Lebensmitteln ein, dann packt uns der pure Gwunder,
was es hier alles so gibt…
Es fällt uns vor allem auf, dass hier einfach alles
etwas grösser ist. Zunächst der Laden selbst, wo man vom Nuggi bis zum Gewehr
und vom Pancake-Mix bis zu Deutschen Bockwürsten alles bekommt, dann aber vor
allem auch die Mengen. Ozy hätte auch bei uns gerne ein Duschbad von 1 l
Inhalt… Dafür stellen uns die Riesen-Milchpackungen mit unserem kleinen
Kühlschrank eher vor Probleme.

Nachdem der Einkauf erledigt ist, geht’s Richtung Upper Sackville (nein, wir haben
keine Hobbits gesehen), wo Ozy im KOA-Campingplatz-Verzeichnis einen Platz an einem See
gefunden hat. Obwohl
wir gesagt haben, dass wir nichts benötigen, bekommen wir einen Standplatz
mitten zwischen den grossen Trailern voll in der Sonne zugeteilt – den wir sofort
wieder gegen einen Mini-Standplatz „im Gebüsch“ nur mit Wasser umtauschen (letzterer war dann auch billiger, d.h. „nur“ noch 36 statt 40 CAD…). Wir waren dann
sehr froh um den Schatten – es war mittlerweile 30 Grad! –, denn wir mussten ja
noch das Häuschen aus- und die Koffer einräumen. Leider konnte man im See wegen
Snapping Turtles nicht schwimmen und der kleine Pool war von Kindern belegt,
aber Duschen war auch sehr ok, trotz des fast nicht vorhandenen Wasserdrucks. Wir
sind beide ziemlich fertig und drum gibt’s erst mal ein kaltes Abendessen,
beobachtet von Squirrel und Specht, und dann gleich Nachtruhe.
Do, 20.8.15: Upper
Sackville-Fundy National Park (Point Wolfe)
Die Bay of Fundy
 |
| Die ersten Pancakes. |
Wir hatten gesehen, dass es ein „Pancake-House“ auf dem Camping gibt, das
wir natürlich sofort ausprobieren mussten. Wir kamen kurz nach Öffnung um 8.30
h und das war gut, da die Nachfrage sehr gross war. Die Pancakes waren es auch,
aber leider nicht so gut.
Um die zehn sind wir dann los und gleich im nächsten
Dorf, Mount Uniacke, in die grosse Irving-Tankstelle (zum Glück, das scheint
eine günstigere Gegend gewesen zu sein…).
Wir hatten uns entschlossen, nicht
den Highway zu nehmen und via 202 und 236 nach Truro zu fahren. Eher
zufällig sind wir in der Nähe von South Maitland beim winzigen Shubenacadie-River-Museum
zugefahren, angelockt von den Schildern die die „Tide Bore“ bewarben. Der
Shubenacadie ist ein grosser Fluss, der im Einflussbereich der Bay of Fundy,
dem Meeresarm zwischen Nova Scotia und dem Festland, liegt, wo anscheinend der
grösste Tidenhub der Erde zu beobachten ist. Der grosse Fluss und seine Nebenflüsschen
waren
jetzt fast nicht mehr vorhanden, die
Uferbänke von einem dicken roten Schlamm bedeckt, der von einigen Besuchern zum
Schlammbaden und –rutschen genutzt wurde. Wenn die Flut kommt, soll eine bis zu
2 m hohe Welle den Fluss hinaufrollen, die dann wiederum zum Wellenreiten und
„Motorboot-Surfen“ einlädt. Da wir gerade die Ebbe erwischt hatten, haben wir
uns das kleine Museum mit vielen interessanten Infos zum Tidenhub, der Bay of
Fundy und den verschiedenen Brücken über den Fluss angesehen, bevor es uns weiterzog. .
 |
| Der Schubenacadie-River bei Ebbe. Vorne ein Pfeiler einer alten Brücke. |
 |
| Schlammbaden und -rutschen ist hier sehr beliebt. |
 |
| Der rote Schlamm des Schubenacadie. |
Auf dem Trans Canada-Highway 104 und 102
ging's über Truro Richtung Moncton, wo wir die Welle im dortigen Fluss leider auch verpasst haben.
 |
| Nebenfluss in der Gegend von Moncton. Hier sind alle Gewässer durch den Tidenhub beeinflusst. |
Also wieder auf der anderen Seite dem
Fluss hinab Richtung Meer. An der Einmündung wären die Hopewell Rocks zu
besichtigen. Die Felsformationen werden auch „Flowerpots“ genannt, wegen ihrer
durch die Flut verursachten Form. Man könnte über Treppen bis auf den
„Meeresgrund“ hinuntersteigen und zwischen den Felsen herumgehen. Da die Flut
mittlerweile so weit gestiegen ist, dass wir nur ein paar Felsen im Meer
gesehen hätten, haben wir uns den Eintritt in den Park gespart und sind
weitergefahren.
Übrigens ist alles, aber auch gar alles Zweisprachig angeschrieben:
Alma und der Fundy Nationalpark
Langsam werden wir auch wieder ziemlich müde, so dass wir auf
den Fundy NP zusteuern, wo es drei Campingplätze hat. Am Eingang zum
Park haben wir zuerst im Dörfchen Alma Halt gemacht.
 |
| Das Städtchen Alma beim Fundy National Park. Rechts das Parkland Hotel mit Restaurant "Tide". |
Da schon auf dem ganzen
Weg überall Werbung für „Best Lobster in Town“ etc. zu lesen war, habe ich Ozy
zu einem Restaurant-Besuch überredet… Dort haben wir zur Feier des Tages
ordentlich gespachtelt: als Appetizer frittierte Clams bzw. mit Speck
umwickelte Scallops, dann das „Daily Special“ mit einem halben Hummer und einem
(ebenfalls mit Speck umwickelten) Rindsmedaillon mit Pommes bzw. Baked Potato.
Die Softdrinks waren mit „Free-Refill“ – wir hatten unsere Gläser noch nicht
fertig ausgetrunken, da war schon das nächste da.
 |
| Lobster! |
Und all das mit einem
herrlichen Ausblick auf die Bay of Fundy und den Hafen, wo sich die Schiffe mit
der Ebbe immer mehr auf die Seite geneigt haben (die Schiffe laufen bei
Niedrigwasser auf Grund bzw. roten Schlamm, gefischt werden kann nur bei Hochwasser.
 |
| Blick vom Resti auf Park und Meer. |
 |
| Die Ebbe kommt, die Schiffe laufen im Hafen auf Grund. |
Nach dem tollen Znacht ging es zum Point Wolfe-Campingplatz im Fundy NP. Der
Camping ist sehr schön gelegen und nur für Womos unter 7.5 m Länge bzw. Zelte nutzbar.
Er hat auch „nur“ 25.50 CAD gekostet. Alle Standplätze sind „serienmässig“ mit
einer Bankgarnitur und einer Feuerstelle (mit Rost und Eisenplatte fürs BBQ)
ausgestattet, WCs und Dusche gibt’s auch. Am Eingang wird man gefragt, ob man
Feuerholz brauche (2 CAD; man darf wegen Borken???-Käfern kein „eigenes“
mitbringen) und bekommt einen grünen und einen blauen
Abfallsack für „wet“ bzw. „dry waste“.
 |
| Standplatz auf dem Point Wolfe-Campground mit Sitzgarnitur und Feuerstelle. |
Nachdem wir uns installiert haben, gab es einen wunderschönen Abendspaziergang,
zuerst zur Bucht von Point Wolfe (wieder mit Ebbe), dann entlang der Klippe zur
Holzbrücke über eine Schlucht. Hier stand bis Anfang 20. Jh. eine grosse
Sägerei. Davon zeugen nur noch einige Hölzer von einem Damm.
 |
| Das "Gedeckte Brüggli" - es hat recht viele davon in der Gegend. |
 |
| Abendstimmung über der Bucht. |
 |
| Es ist Ebbe... |
 |
| ...und die Wasserläufer geniessen ihren Znacht. |
 |
| An den Aussichtspunkten hat's bequeme Stühle. |
 |
| Die Aussicht vom Stuhl. |
 |
| Abendstimmung über der Schlucht mit Mondsichel. |
Der Park wäre ein „Dark Sky Reserve“ mit eigenem Observatorium, aber davon
kriegen wir dann nicht allzu viel mit, weil wir bald wieder ins Bett gehen…
Fr, 21.8.2015: Fundy
NP – Nirgendwo (Nähe St. George)
Nach St. John
Die Squirrels sind noch vor uns wach und gegen sieben stehen wir dann auch
auf. Wir zmörgelen sehr gemütlich draussen – diesmal mit „selbstgemachten“
Pancakes (Aunt Jemima sei Dank) – und verlassen den gastlichen Platz. Wir
hatten gehofft, den Hastings Drive, eine
unpaved road, als Abkürzung nehmen zu
können, aber leider ist dieser nur als Einbahnstrasse befahrbar. Also wieder
via Alma auf die 114 Richtung Highway Nr. 1. Die Strassen – vor allem die
Highways – sind viel grösser als bei uns mit einem breiten grünen
Mittelstreifen und führen mehr oder weniger gerade die Hügel rauf und runter.
Alle Fahrzeuge fahren mehr oder weniger Maximalgeschwindigkeit von 110/120
km/h, auch die grossen Trucks mit Anhänger, Busse und die grossen Wohnmobile.
 |
| Man kann die Velos auch einfach an die Leiter hängen... |
 |
| Wer zu langsam ist, wird vom Truck überholt... |
 |
| ...mit ca. 110 bis 120 km/h! |
Die Reversing Falls

So gelangen wir gegen Mittag nach Saint John, wo sich die „Reversing Falls“ befinden. Hier strömt ein grosser Fluss durch eine Enge Richtung
Meer. Das Flussbett mit drei Stufen befindet sich ca. 4 m über dem Ebbe-Niveau,
was dazu führt, dass einmal der Fluss in Stromschnellen Richtung Meer, ab der
halben Flut dann wieder zurück fliesst. In den 20 Minuten um diese „Slack Tide“
war (und ist wohl auch heute noch) der Hafen bzw. der obere Flusslauf mit
Booten erreichbar, dann wird das Wasser wieder unberechenbar. Wir waren so
fasziniert, dass wir auf die Slack Tide gewartet und das anschliessende
Umkehren der Strömung beobachtet haben. Wir hatten grad noch so Glück mit dem
Wetter – heute hat sich der Nebel nie richtig aufgelöst und wurde dann immer
dichter, so dass wir die Strömungsumkehrung fast nicht gesehen hätten.
 |
| Stromschnellen zwischen den Inseln... |
 |
| ...und die Reversing Falls Bridge bei Ebbe. |
 |
| Die Brücke über den Stromschnellen im Nebel. |
 |
| Die Stomschnellen sind komplett verschwunden. | | | | |
|
 |
| Jetzt fliesst das Wasser stromaufwärts und bildet neue, kleinere Stromschnellen. |
Fahrt in den Nebel
Gegen drei Uhr ging es auf der Nr. 1, die dann zur „normalen Strasse“ wird, Richtung
St. George. Kurz davor zweigten wir Richtung Küste ab, wo Ozy auf der Karte
einige an Buchten endende Strassen entdeckt hatte. Wir haben einige Feldwege
ausprobiert, aber leider waren alle zugewachsen bevor sie wirklich ans Meer
kamen. Schliesslich haben wir es uns einfach auf einem alten Holzerweg mitten im
Busch bequem gemacht. Wegen der Mücken und des feuchten Wetters gab es drinnen
Znacht, begleitet vom Klang des Nebelhorns in einiger Entfernung.
Sa, 22.8.2015: St.
George-Lamoine SP
"Sehen Sie, Sie sehen nichts"
Das Nebelhorn hat die ganze Nacht getutet und tönt immer noch als wir aufwachen
– trotz kurzem Regen liegt der Nebel immer noch dicht über dem Land. Nach einem
gemütlichen Zmorgen meinerseits brechen wir wieder auf. Ich möchte noch die
„Old Sow“, einen Gezeitenstrudel angucken, weshalb wir kurz vor St. George auf
eine kleine Halbinsel fahren, von wo eine kleine Gratis-Fähre (!) auf Deer
Island übersetzt. Wir haben Glück und erwischen die Fähre gerade noch.
 |
| Die kleine Fähre nach Deer Island. |
Die
Überfahrt dauert eine halbe Stunde und würde zwischen kleinen Felsen und Inseln
hindurchführen. Leider sehen wir wegen des immer noch starken Nebels nicht kaum etwas. Auf der Fähre plaudern wir ein bisschen mit einer Dame aus St. John und
erfahren, dass die Stadt und Umgebung die nebligste Gegend Kanadas seien. Auch
hier herrscht nach Aussage des Kapitäns mittlerweile der 11. Tag Nebel!
Nach Ankunft fahren wir über die Insel bis an ihren südlichsten Punkt. Hier, am
Deer Island Point, hat es einen kleinen, einfachen Camping. Als Besucher darf
man aber auch so aufs Gelände. Hier könnte man vom Fusse eines kleinen
Leuchtturms aus den Gezeitenstrudel und die nahe Küste von Maine sehen.
Leider
ist der Nebel aber immer noch so dicht und tief, dass wir
beides nur erahnen können. Es würde noch eine
Stunde dauern, bis Tiefwasser und bis dann das Spektakel losgeht, aber
angesichts der schlechten Aussicht beobachten wir nur noch ein paar Seehunde,
bevor wir uns wieder zum Auto aufmachen.
 |
| Deer Island macht ihrem Namen alle Ehre... |
|
In die USA!
Wir überlegen, ob wir mit der nächsten
(kostenpflichtigen) Fähre auf Campobello Island übersetzen sollen, von wo man
dann über die International Bridge nach USA gelangen würde. Da wir die Fähre
aber knapp verpassen, fahren wir wieder zurück und erwischen wieder gerade die
nächste Fähre aufs kanadische Festland. Nun fahren wir der nebligen Küste
entlang gegen St. Stephen, teils über den Highway Nr. 1 und teils über Landstrassen.
Der Highway ist wieder sehr grosszügig angelegt mit einem sehr breiten
Mittelstreifen.
Gegen Mittag treffen wir in der Grenzstadt ein. Wir gehen erst mal in
einen „Tim Hortons“, eine Art Kaffee-Kette, wo man aber auch Herzhaftes haben kann,
um uns für die Einreise in die USA zu stärken. Beim Rauskommen plaudern wir
kurz mit einem „Bewunderer“ unseres Autos, bevor es nun endgültig über die
Grenze geht.
 |
| Da geht's in die USA! Grenzposten St. Stephen/Calais. |
Die „innerstädtischen“ Grenzposten liegen beidseits des Flusses.
Bei der Ausreise gibt es jeweils gar keine Kontrolle, bei der Einreise hat es
aber jeweils eine kleinere Warteschlange. Die Brücke über den Fluss ist
sozusagen das „Niemandsland“. Einige in der anderen Schlange machen das Fenster
auf und geben uns ThumbsUps oder äussern sich begeistert zu unserem Gefährt. Auf
der amerikanischen Seite werden wir von einem freundlichen Officer begrüsst,
der unsere Pässe entgegen nimmt und uns gleich auf einen Parkplatz weist, da
wir noch „Paperwork“ zu erledigen hätten. Er weist Ozy auch darauf hin, dass er
sein Swisstool am Gürtel besser im Auto lässt, da das Tragen von Waffen in
offiziellen Gebäuden verboten sei. Im Gebäude dürfen wir die Formalitäten dann
bei einem sehr ehrfurchtgebietenden Officer erledigen. Da wir kein ESTA haben,
müssen wir erst mal einen grünen Zettel ausfüllen (mit den gleichen Fragen nach
unserer kriminellen Vergangenheit), dann per Scanner die Fingerabdrücke beider
Hände inkl. Daumen geben und freundlich in die Kamera blicken. Ozy sorgt für
Heiterkeit, weil er dachte, die Kamera sei ein Retina-Scanner und ganz nahe an
die Linse gegangen ist. Einer der Officers entdeckt das Etui vom Swisstool an
Ozys Gürtel, aber alle sind beruhigt, als Ozy ihnen zeigt, dass die „Waffe“
nicht drin ist. Schliesslich möchte der Officer noch genau wissen, was wir in
den USA wollen und vor allem wohin wir wollen. Zum Glück hat Ozy am Montag
einen Termin in Bangor, nur die Frage nach dem nächsten Ziel können wir nicht
wirklich beantworten. Aber schliesslich geben sie sich mit unserem generellen
Reiseplan „an die Westküste, runter, rüber und wieder nach Halifax“ doch
zufrieden (mittlerweile haben auch alle Officers unser Auto bewundert). Auf
Ozys Frage „may weg go?“ kommt sogar ein schwaches Lächeln auf das Gesicht
unseres finster wirkenden Officers und er meint „go with the wind“!
– Amerika, wir kommen!
Hinter der Grenze ist alles mit Stars and Stripes beflaggt (wie auch sonst
überall) und wir fühlen uns nun wirklich in Amerika, auch wenn hier immer noch
alles gleich aussieht, wie drüben.
Wir fahren weiter auf der Landstrasse durch Dörfer mit kleinen Läden, Werbungen
für Lobster Roll und Seafood und vorbei an Blueberry Fields – wir haben genau
die Erntesaison erwischt.
Da wir keine frischen Früchte und Gemüse über die Grenze bringen durften
(nehmen wir mal an, aber die einzige Frage am Zoll war – neben der nach Alkohol
und Zigaretten – die nach
fresh fruit and vegetables), müssen wir jetzt unsere
Vorräte aufstocken. Es gibt allerdings in dieser Gegend keine grösseren Läden,
nur die gelegentliche Tankstelle (der Treibstoff ist hier viel billiger als in
Kanada, wobei auch hier jede Tankstelle ihre eigenen Preise hat). In Machias
finden wir am Dorfausgang endlich zwei Supermärkte. Wir gehen zuerst in den
„FamilyDollar“, eine Art Billigladen, etwa vergleichbar mit dem ehemaligen
PickPay oder Spar. Wir kaufen Getränke und Milch und ich erstehe eine etwas
grössere Bratpfanne (für 7 $...) und eine kleine Gusseisenpfanne für aufs
Feuer. Dann gehen wir in den Supermarkt gegenüber (Hannaford), der uns einen
Kulturschock verpasstt: Biofood, frische Früchte, Gemüse, frisches Brot und
eine gewaltige Auswahl an weiteren Lebensmitteln, vom Emmi Gruyère über Kimchi
bis hin zu lebenden Lobstern im Aquarium). Hier decken wir uns grad nochmal
ein, da wir schon wieder Hunger haben… Auf dem Parkplatz geraten wir wieder in
eine nette Unterhaltung mit einem anderen Camper-Fahrer (eine verrostete Aufsetzkabine
auf einem ebensolchen Dodge Ram). Unser Mobil erregt überall Aufmerksamkeit und
ist perfekt, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen!
Peaceful Lamoine State Park
Nun geht’s weiter auf der Nr. 1 der Küste entlang Richtung Acadia Nationalpark,
der auf der Mount Desert Island liegt. Die Gegend wird immer touristischer, die
Dörfer und Städte grösser. Es ist hier „Maine’s most sought after vacation
region“ (und das heisst etwas, denn Maine wirbt auf seinen Nummernschildern schon mit dem Slogan
„vacationland“…). In Ellsworth gibt es auch wieder einen Walmart, den wir uns
provisorisch mal merken. Da die Gegend offenbar sehr teuer ist, da
Feriendestination der reichen Ostküstenbewohner (u.a. der Rockefellers), fragen
wir uns, wo wir am besten übernachten sollen.
Ozy entdeckt schliesslich einen
Wegweiser zum Lamoine State Park und wir beschliessen, dort mal vorbeizuschauen.
Der Park besteht praktisch aus einem Campingplatz und wir werden freundlich von
einem Ranger begrüsst. Obwohl wir nicht reserviert haben, bekommen wir einen
Standplatz nicht zu weit vom Meer und „in a good neighbourhood“ wie uns der
Ranger versichert. Es sieht hier sehr hübsch aus mit einer parkähnlichen Landschaft mit Wiesen, Apfelbäumen und ein bisschen Wald und die Gebühr scheint mit 27.50
$ wohl eher eine von den Günstigeren zu sein, so dass wir beschliessen, morgen
einen Ruhetag einzulegen und gleich zwei Nächte zu bleiben.
 |
| "Park am Meer" mit Sitzgelegenheiten und kleinen Feuerstellen auf praktischer Höhe. |
Die meisten der Plätze
sind von Leuten mit Zelt belegt, nur im oberen Teil hat es einige wenige
grössere Wohnmobile. Wir haben den Platz erwischt, wo man – nach Broschüre – noch „a
semi-wild camping experience“ geniessen kann. Es gibt keine "Power-Hookups", d.h. keinen Strom fürs Wohnmobil, doch ist der Platz für unsere Begriffe alles andere als
semi-wild: Es gibt in regelmässigen Abständen Trinkwasserhähne, es hat schöne
WCs und warme Duschen. Jeder Platz ist wieder mit einer Sitzgarnitur und
„Hibachi-style fireplaces“ ausgerüstet und beim Ranger kann man „bundles“ von
Feuerholz kaufen. Das mache ich doch und das ca. 15 kg schwere Bündel wird
mir ohne Frage von einem anderen Camper mit dem Auto direkt zu unserem Platz
geliefert. – Die Leute hier sind einfach wahnsinnig nett, hilfsbereit und
zuvorkommend!
 |
| Gemütlicher Standplatz im Grünen, wieder mit Sitzgarnitur und Feuerstelle. |
Wir haben einen Bärenhunger und geniessen zuerst mal den Seafood, den wir uns
im Hannaford gekauft haben. Danach ist die Glut bereit und es gibt Schwertfisch
und Steak mit den aufgewärmten Teigwaren von gestern (der Brändi-Grill wäre
super, wenn der Radius der Feuerstelle nicht zu klein für den langen Stiel
wäre… Aber man kann sich ja auch mit ein paar Scheiten als Auflage behelfen…).
Kurz geduscht und dann geniessen wir unter einem Schnarchkonzert aus den
anderen Zelten unsere Nachtruhe.
So,
23.8.2015: Ruhetag im Lamoine State Park
Wir werden relativ zeitig geweckt von Raben
(oder Krähen), die sich über grössere Distanz miteinander unterhalten. Es gibt
ein ausgiebiges Sonntagszmorge mit
selbstgemachten Blueberry-Pancakes (und normalen), bevor wir uns langsam und gemütlich auf
Erkundungstour machen.
Auf dem Gelände hat es zahlreiche Picknicktische mit
Meerblick und jeweils einen Grill dabei. Es gibt hier auch eine öffentliche Einwasserungsstelle
mit Parkplatz für die Autos inkl. Trailer. Die Rampe besteht hier einfach aus
dem Kiesstrand, von dem man die Steine entfernt hat. Die Geländewagen fahren mit
ihren Anhängern dann soweit ins Meer, bis sie ihre Gefährte ausladen können.
Jetzt wissen wir, warum die meisten grösseren Autos im hinteren Bereich und auch sonst so
schön verrostet sind… Wir beobachten das Einwassern von zwei Paar Jetski und
einem Fischerboot (der Besitzer musste sein Boot gleich wieder aufladen, da er
vergessen hatte, den Motor hochzuklappen und beim schwungvollen Einwassern wohl
die Schraube und das Boot beschädigt hat).


Da Ebbe ist, können wir recht weit
den Kiesstrand entlanggehen, der von Seetang, Muschelschalen und recht vielen
von Vögeln aufgebrochenen Krabben bedeckt ist. Gleich ausserhalb des Parks
beginnen dann die Privatgrundstücke mit schönen Villen, deren „Strand“ von
grösseren Steinen oder Seegras befreit ist
Danach begehen wir noch einen kleinen Trail, der um den Camping herum durch den
Wald führt und als eine Art Waldlehrpfad angelegt ist. Am Strand sehen wir
Muschelsucher, die wir darauf ansprechen. Sie kommen zwei bis drei Mal im Jahr
aus dem Hinterland hierher und graben mit Harken die ca. 15 cm tief liegenden
Muscheln aus. Die Muscheln müssen länger als 2 Inches, ca. 5 cm, sein, jede Person
darf ein „pack“ (ungefähr 2.5 Gallonen/rund
10 l ), d.h. einen grossen Kessel voll sammeln.
 |
| Die Muschelsucher. |
 |
| Die Möwe verspeist genüsslich eine Krabbe. |
Nach einem kleinen Mittagsimbiss wage
ich mich dann doch noch ins Meer. Die warme Temperatur beim Hand-Hineinhalten
hat etwas getäuscht. Es hat zwar immer wieder etwas wärmere Stellen, aber
insgesamt dürfte es so um die 16 Grad gewesen sein…
Dann wieder ein ausgesprochen friedlicher Abend, wo wir noch den grössten Teil unseres Feuerholz-Bündels verheizen.
Mo, 24.8.2015: Nach Bangor und Sitze einbauen
Nach einem gemütlichen Zmorgen brechen wir langsam auf. Wir hatten uns kurz überlegt, ob wir noch die Ebbe abwarten und auch Muscheln suchen gehen sollten, aber da das Wetter eher regnerisch und der Wasserstand noch viel zu hoch ist und wir die Muscheln auch nur schlecht im Kühlschrank aufbewahren könnten, beschliessen wir doch, nach einem letzten Blick aufs Meer Richtung Bangor zu fahren.
Ozy hat mit einem Bekannten aus dem TDR-Forum, der bei einer Truck-Teile und -reparaturfirma arbeitet, organisieren können, dass er uns luftgefederte Sitze bestellt, die wir dann auch bei ihnen einbauen können. Gegen zehn sind wir dort und trefen Mike Wilson, der uns sehr nett empfängt. Die Sitze warten auf uns und nachdem wir die alten ausgebaut haben, baut Ozy im Schweisse seines Angesichts die neuen Sitze ein. Hier hat es endlich Wifi und ich etwas Zeit für den Blogeintrag...
 |
| Areal der "Freightliner of Maine Inc." |
 |
| Unsere neuen Sitze, noch schön verpackt. |
 |
| Die alten Sitze sind raus. Es sieht etwas leer aus im Auto... |
 |
| Ozy war wieder fleissig! Die neuen Sitze sind schon drin, jetzt müssen sie noch verkabelt werden. |