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Montag, 31. August 2015

Durch Kanada entlang der grossen Seen

So, 30.8.2015: "Ruhetag"

Vom Huron See nach Saulte Ste. Marie 

Obwohl der Water Falls Lodge-Camping ganz nett war, hat es uns doch nicht an Ort gehalten und wir sind weiter entlang dem Huron See durch Wälder und vorbei an kleineren Seen, Flüsschen und Sümpfen.
Auf den Huron  See selbst sieht man nur ganz selten. Der Highway führt meist nicht direkt am Ufer entlang, es führen einfach immer wieder Stichstrassen dorthin.
Einer der 100'000 Moor-Seen.
Hier führt der Highway mal einem schönen Fluss entlang.
Die Gegend ist manchmal landwirtschaftlich genutzt.Es hat wenige und oft kleine Orte, die dann fast nur aus einem Trading Post bestehen. Manchmal gab es auch kleine Motels, von denen viele aber entweder aufgelassen sind oder zum Verkauf stehen.

Das Städchen Iron Bridge.


Wir sehen Werbung für zwei Bayerische und ein Salzburger Restaurant/Inn.

Unendliche Weiten...

Nach Mittag erreichen wir Sault Ste. Marie, das zwischen dem Huron und dem Oberen See liegt. SSM ist ein grosser Ort mit Papierindustrie. Via Brücke könnte man hier auch wieder die Grenze in die USA überqueren.

Wir schlagen buchstäblich unser Lager in einem Tim Horton's auf, wo wir den ganzen Nachmittag verbringen (free Wifi...). Hier habe und brauche ich die Zeit für den Blog (es ginge viel schneller, wenn ich nicht so Probleme mit dem verkleinern und Raufladen der Bildern hätte... Aber ich glaube, für das nächste Mal habe ich den Dreh dann raus...). Ozy schimpft, dass der Blog viel zu ausführlich sei. Er hat sicher recht, aber mindestens im zentralen Teil soll es ja dann nicht viel mehr als endlose Getreidefelder zu sehen geben, so dass die Einträge dann sicher weniger werden...

Am Oberen See (Lake Superior)

Nach fünf Uhr brechen wir dann endlich auf und fahren noch ein bisschen dem Lake Superior entlang bis zum Pancake Bay Provincial Park. Die ganze Gegend um Saulte Ste. Marie bis zum Park ist wieder sehr touristisch, liegt aber auch wunderschön an einer "kleinen" Bucht am Südostende des riesengrossen Lake Superiors (auf der amerikanischen Seite ist dann alles voll mit State Parks und National Forests und Schutzgebieten).
Blick auf die südöstliche Bucht des Lake Superior.

Der Campground erstreckt sich über mehrere Kilometer in einem Zwickel zwischen der Pancake Bay und dem Trans Canada Highway. Wir bekommen noch einen "günstigen" Platz ohne Strom (rund CAD 40.- !) und ich kaufe gleich noch ein Bündel Feuerholz dazu, um wieder mal "à l'américaine" zu kochen.
Der gut 3 km lange Sandstrand der Pancake Bay.
Schweinssteaks mit Broccoli. Der Brändi-Grill liess sich diesmal mit Phantasie montieren...


 Gegessen haben wir wegen der Mücken aber drinnen... Wie aufgelegte Infoblätter kundtun befinden wir uns nun im Bear-Country. - Was den etwas längeren Gang aufs WC nur mit Taschenlampe bewaffnet durchaus interessant macht...

Mo, 31.8.2015: Pancake Bay SP - Fort William/Thunder Bay

Wir hatten Glück und wurden weder von den Bären noch von den Mücken gefressen, so dass wir heute wieder gemütlich zmörgele konnten, bevor wir unseren Abfall im bärensicheren Container entsorgen und wieder Wasser nachfüllen konnten.






Erst gegen halb elf machen wir uns auf den rund 650 km langen Weg nach Thunder Bay. Heute herrscht sehr nebliges Wetter. Auf der ganzen Strecke, die bergauf - bergab durch felsiges Gebiet mit endlosen Wäldern und Seen führt, haben wir immer wieder abwechselnd (fast) schön und dann gegen den See hin wieder starken Nebel. Wir wünschten, die nordamerikanischen Autos hätten Nebelschlusslichter!
Die Pancake Bay am Morgen.

Eine kurze Strecke entlang des Lake Superior...
Dann wieder ins bergige Hinterland (die ersten Windräder, die wir sehen).


Immer wieder hat es Ausstellplätze mit bärensicheren Abfallkübeln.

 Gegen Mittag erreichen wir Wawa, einen etwas grösseren Ort, wo es wieder einen kurzen Imbiss bei Tim Horton's (natürlich mit free Wifi) gibt.
"Wawa" bedeutet auf Objiwe "Kanadagans".
Wunderschönes, klares Wetter...
...und wenig später dicker Nebel.


Dann geht's den letzten Abschnitt nach Thunder Bay, vorbei an Marathon. Die letzten 200 km sind auf der Karte als "Scenic Drive" markiert. Von uns aus sind aber nur ca. 20 km wirklich "scenic" und zwar diejenigen, wo man auf den Lake Superior sieht, der hier durch Inseln und Halbinseln gegliedert ist.

Blick über den Lake Superior Richtung Thunder Bay.
Endlich erreichen wir gegen sechs Uhr Thunder Bay, einen grossen Ort mit riesigen Getreidesilos und ebensolchem Hafen, wo die "Tanker" anlegen.

Wohnquartier in Thunder Bay.
Nach kurzem Einkauf im Walmart geht's zum Campground beim Old Fort William, einer Rekonstruktion eines Hauptquartiers der ehemaligen North West Company von 1816, wo nicht nur die Gebäude nachgebaut sind, sondern gleich noch das Leben von Schauspielern in Kostümen (die meisten offenbar Studenten) nachgespielt wird. Da dieser Ort vom Reiseführer in den höchsten Tönen gelobt wird, wollen wir ihn natürlich nicht verpassen!Freundlicherweise ist hier gleich ein Campground (eine offene Wiese, teils mit Stromanschlüssen und WCs und Duschen in Containerwagen) angegliedert, wo wir uns als "Late arrivals" wieder ein Plätzchen aussuchen. 

Campground vor dem Besucherzentrum von Old Fort William.
Wir treffen auf zwei Münchner im Buschtaxi, die auf der Rückfahrt von einer zweijährigen Weltreise sind (davon jetzt dann 6 Mte. in Nordamerika) und unterhalten uns lange. Auch eine Schweizerin mit ihrem amerikanischen Mann findet sich ein.
Wir sind aber bei weitem nicht die einzigen Reisenden: auf der Wiese tummeln sich wieder Scharen von Wildgänsen, die uns besuchen kommen und deren Rufe wir noch bis weit in die Nacht über uns hören.





Sonntag, 30. August 2015

There and back again: Von den USA nach Kanada

Mo, 24.8.2015: Bangor / Holden ME

Nachdem Ozy bei sehr grosser Hitze und fast zerfliessend die Sitze eingebaut und fertig verkabelt bzw. mit dem Kompressor verbunden hat, verabschieden wir uns gegen halb acht von Mike. Er und sein Sohn und die ganze Belegschaft waren wahnsinnig nett und hilfsbereit! Für Mike war es sicher auch nicht einfach, da ausgerechnet heute sein erster Arbeitstag nach den Ferien war...

Mike war dann noch so lieb und hat für uns beim nächstgelegenen Camping – dem „Red Barn Camping“ in Holden – angerufen und für uns reserviert. Der Camping ist mit rund 37 $ nicht gerade besonders günstig („Kleiner RV“-Ansatz; auf einen „Zeltplatz“ wollte er uns nicht lassen….), scheint aber sehr schön und gepflegt zu sein. Auch er gehört zu einer Camping-Kette, diesmal „Good Sams“. Wir erstehen gleich noch eine „Mitgliedschaft“, mit der man 10 % Reduktion auf den enstprechenden Plätzen bekommt, die nach Landkarte recht gut übers Land verteilt sind. (Wir bevorzugen ja die State Parks, aber viele dieser Plätze sind nur bis maximal Mitte Oktober geöffnet.)
Dieser Camping ist nicht nur von den üblichen grossen RVs (in Bus- und meistens in Trailerform) besucht, sondern auch von zahlreichen Dauercampern, die ihren ohnehin grossen Gefährten noch eine Veranda vorgebaut haben. Viele sind mit einem regelrechten Gärtchen versehen und mit farbigen LEDs beleuchtet. Die Duschen sind grad neu gemacht und wir sind beide sehr froh drum…


Di, 25.8.2015: Holden (Bangor) ME - Little River SP VT

Durch Maine nach New Hampshire

Am nächsten Morgen sind wir recht früh wach, weil es auch der oder die Hunde unserer Nachbarn sind… Nach einem gemütlichen Zmorge brechen wir gegen 10 Uhr Richtung Westen auf. Das Wetter ist leider nicht besonders freundlich und wird immer düsterer.

Von Bangor geht’s zunächst zügig auf der Interstate I-95 bis Newport, wo wir auf die Strasse Nr. 2 fahren. Dieser Strasse werden wir nun durch drei Bundesstaaten, von Maine über New Hampshire bis zur Bundeshauptstadt Montpelier in Vermont folgen. Sie führt durch eine recht abwechslungsreiche Gegend, die mit ihren Hügeln teilweise fast der Schweiz ähnelt, und verschiedene kleinere und grössere Dörfer und Städtchen.

Auf der Route 2 durch eine abwechslungsreiche Landschaft.
Die Silos erinnern uns an Raketen.
Eine hübsche Farm mit etwas Umschwung.

Es gibt hier viel Landwirtschaft und Kleinindustrie. Uns erstaunt immer wieder die Vielfalt  an Gebäuden und Anwesen. Von „herrschaftlicher Villa“ mit griechischen Säulen und Giebeln, zahlreichen Nebengebäuden und Golfrasen bis zu total windschiefen Hütten, meist mit einem Sammelsurium an Gebrauchsgegenständen und Fahrzeugen in verschiedenen Stadien der Verrostung drum rum.

Gegen Mittag erspähen wir in Rumford (gleich neben "Mexiko"...) einen Hannaford und gehen wieder mal einkaufen. Auch dieser Laden hat die herrlichsten Esswaren und wir decken uns neben frischen (Bio-)Früchten und Gemüse auch mit originalen RANA Spinat-Ricotta-Tortelloni, inkl. dazugehöriger Sauce ein. Ich bekomme von der „Heisstheke“ noch BBQ Chicken Tenders (mmm!) und dann machen wir ein kleines Picknick im Auto – inzwischen regnet es heftig.

Bequemes Shoppen gefällig?

Von Rumford aus folgt die Nr. 2  dem hübschen Androscoggin River. Die Gegend wird immer hügeliger und waldiger. Es wäre sehr schön, wenn nicht inzwischen das Wetter sehr schlecht geworden wäre. Die Wolken hängen sehr tief und es regnet ordentlich.

Sonnenblumenfelder.
Uäääääääh!
Mittlerweile sind wir in New Hampshire. An jeder „Grenze“ folgt zuerst ein Tafelwald, was alles ge- und verboten ist (z.B. „all electronic handheld devices“, d.h. die Bedienung sämtlicher elektronischer Geräte am Steuer). Es ist auch interessant zu sehen, wie verschieden die „gleichen“ Verkehrstafeln sind. In Maine waren z.B. die Warnungen vor Hirsch und Elch bildlich dargestellt, in New Hampshire haben Analphabeten dagegen einen schweren Stand…

Entlang des White Mountain National Forest

Wegen des schlechten Wetters haben wir leider nicht sehr viel vom White Mountains National Forest an dessen Nordgrenze die Strasse Nr. 2 entlang führt. Wir müssen uns aber dafür auch nicht überlegen, ob wir nun einen Abstecher zum 1917 m hohen Mount Washington, auf den auch eine Dampf-Zahnradbahn führen würde, machen sollen… An den Dörfern, die wir passieren, sehen wir aber, dass hier während der Saison bzw. während der Saisons (Sommer, Indian Summer und Winter) touristisch allerhand los ist.
In Jefferson wird getankt und wir haben wieder Glück und erwischen mit einem Preis von $ 2.49/Gallone (ca. CHF 0.66/l) eine sehr günstige Tankstelle (in den anderen Bundesstaaten gehen die Preise dann bis $ 2.86/gl hoch).

Jede christliche Glaubensrichtung hat ihre eigene Kirche (auf dem Bild grad 3 nebeneinander).

In Vermont

Kurz darauf kommen wir in den Bundesstaat Vermont. Nun wir das Wetter endlich besser und die Sonne kommt immer mehr hervor. In St. Johnsbury würde die Lastwagenroute aussen herum führen, wir folgen der „normalen“ Nr. 2 – und wünschten, wir wären der Lastwagenroute gefolgt: die Stadt ist ein einziges Chaos! Das ist auch der Tatsache zu verdanken, dass mitten darin 2 Kreuzungen mit „Stop für alle“ sind. Das geht vielleicht bei einer wenig befahrenen Kreuzung (wir haben das auch schon früher gesehen), aber hier ist es reine Glückssache… Ausserdem ist auch grad noch die Schule aus und die Schülerlotsen halten den Verkehr auf, während die Schulbusse in langer Reihe vor der Schule warten.
Endlich ist es geschafft und wir fahren weiter und biegen in Montpelier, der kleinsten Bundeshauptstadt, die sich vor allem durch ein elegantes, weisses „Kapitol“ mit vergoldeter Kuppel auszeichnet, auf die I-89 ab. Wenig später verlassen wir die Autobahn wieder bei Waterbury (leider haben wir erst später gesehen, dass hier in der Nähe ja das Ben & Jerry’s Glacé hergestellt wird und man die Fabrik besichtigen könnte…).

Route 2 in Vermont.
Am Ende einer Schotterstrasse entlang eines Flüsschens gelangen wir gegen vier, halb fünf zum „Little River State Park“, der am aufgestauten See des gleichnamigen Flusses liegt (der Fluss wurde in den 30er Jahren mit einem Gewichtsdamm als Schutz vor Überschwemmungen gestaut und in den 50er Jahren zusätzlich mit einem Kleinkraftwerk versehen). Der Campingplatz nimmt den grössten Teil des Parkes ein und ist wieder genial: die einzelnen, recht grossen Campingsites, wie üblich mit Grill und Sitzbank verteilen sich sehr weitläufig im Wald über dem See. Dazu gäbe es Cabins, kleine Hütten, und Lean-to’s zu mieten (eine Art Unterstände wie es sie auch in Schweden gibt, die aber gross genug sind, ein kleineres Iglu-Zelt reinzustellen).

Unser Stellplatz, mitten im Wald.
Blick auf den gestauten Little River.
Es ist wunderbar ruhig, es gibt kein Wifi und nicht einmal Mobilfunk-Netz. Es gäbe verschiedene „Historic Trails“ in die Umgebung, wo sich alte, aufgelassene Farmen aus dem 19. Jh. erkunden liessen. Wir machen nur einen ausgedehnten Abendspaziergang zum See, wo wir wieder auf einen Einwasserungsplatz für Boote und eine winzige Marina stossen. Wir hören recht laute Musik und bald wird klar, woher diese kommt: Der See wird natürlich auch von anderen genutzt. Die Stille wird durch ein Motorboot mit einem Wakeboarder im Schlepptau unterbrochen. Die Lautsprecher sind gegen den Boarder gerichtet und über dem ganzen fliegt eine Drohne, die dessen „Künste“ (er fällt ziemlich oft ins Wasser) filmt…
Die Sanitäranlagen sind eher „basic“, aber zum Duschen (mit Münzautomat) reicht es. Dafür kostet dieser Camping auch nur 27 $.


Mi, 26.8.2015: Little River SP VT - Green Lakes SP NY

Über den Lake Champlain

Nachdem Ozy gesehen hatte, wie wenig weit wir bisher gekommen sind und was wir noch an Strecke vor uns haben, wurde heute Morgen nur kurz gefrühstückt und um 8 Uhr ging’s bereits wieder los. Da wir so nahe sind möchten wir aber trotz der vor uns liegenden Strecke doch noch den Adirondack Park „mitnehmen“.

Weiter auf der Route 2 durch Vermont.
Die Interstate I-89 führt uns schnell nach Burlington, Vermonts grösser Stadt, die eine Universität und mehrere Colleges beherbergt.

Durch die Universitätsstadt Burlington VT.
Wir folgen der Strasse an den See hinunter und gelangen gegen neun an den Fähranleger der Lake Champlain Ferry. Die Fähre kostet uns 38 $, erspart uns aber eine Menge Weg. Zudem ist die einstündige Fahrt über den See – heute bei gutem Wetter – sehr schön und entspannend.

Auf der Fähre.
Ausfahrt aus dem Hafen von Burlington.
Port Kent NY


Nachdem der Kapitän den Bundesstaat New York ausgiebig mit seinem Horn vorgewarnt hat, fahren wir bei Port Kent an Land. Kurz hinter Port Kent könnte man gegen Entgelt die „Ausable Chasm“, eine Art Aareschlucht besichtigen. Wir begnügen uns aber mit einem Blick von der Brücke, der uns einen Eindruck vom braunen Moorwasser vermittelt, das durch eine von kantigen Steinen gebildete Schlucht fliesst und einen schönen Blick auf die Wasserfälle oberhalb der Schlucht bietet.

Blick  in die Ausable Chasm.

Durch die Adirondacks

Wir sind nun im Adirondack Park. Der Park umfasst eine Fläche, die ungefähr einem Drittel der Schweiz entspricht und beherbergt neben zahlreichen Seen und bewaldeten Hügeln auch das bekannte Lake Placid, wo die 1932 und 1980 die olympischen Winterspiele ausgetragen wurden.



Wir fahren rund 250 km quer durch den Park. Im Nordosten hat es noch Farmen, die zunehmend durch Wälder und Seen abgelöst werden. Viele Autos kommen uns mit einem oder mehreren Kanus auf dem Dach und/oder auf Anhängern entgegen. Hier könnte man getrost Wochen damit verbringen, die Gewässer zu erkunden. Gegen Lake Placid wird es dafür immer „wintersportiger“. Hier wäre übrigens auch das Dorf „North Pole“ zu finden (natürlich mit „Santa’s Workshop“).

Wilmington am Fusse des Whiteface Mountain.
Wir haben nicht das Gefühl, das allzu viele Leute in der Gegend sind – bis wir in Lake Placid ankommen. Das „Dorf“ ist riesig, die Architektur definitiv „international-alpin“, d.h. es sieht aus wie mittlerweile überall in den grösseren Wintersportorten: ein alpiner Blockhaus-Charme mit gelegentlichen Hotelbunkern. Vor allem aber hat es viiiiieeeeele Leute hier! Wir quälen uns im Schneckentempo durch und halten dann am Dorfausgang beim McDonald’s an, um uns zu stärken (und das free Wifi zu nutzen, um mal kurz die Mails zu checken…).

Lake Placid. Die olympische Eishalle und das olympische Gebäude von 1932.
Lake Placid - oder Davos?
Da soll sich mal noch einer zurechtfinden im Schilderwald.

Danach geht’s weiter nach Saranac Lake und von da via Nr. 3, 30 und 28 bis nach Foresport, das schon ausserhalb des Parks liegt. Nach Reiseführer wäre der Teil über die 30 und 28 besonders schön, aber uns hat der Nordosten des Parks wesentlich besser gefallen, da er viel abwechslungsreicher war und mehr Ausblicke bot. Der südwestliche Teil besteht fast nur noch aus Wald, der ganz selten mal einen Blick auf die zahlreichen Seen freigibt.

Einer der zahlreichen Seen im Adirondack Park.
Unsere luftgefederten Sitze mit Stossdämpfer bewähren sich!
Auch das iBaustellen-Schild ist "gefedert".

Zwischen Ontario See und Finger Lakes

Von Forestport führt die sehr gut ausgebaute Nr. 12/28 nach Süden ins zunehmend flachere und dichter besiedelte Gebiet südlich des Lake Ontario und nördlich der Finger Lakes (von hier wären es auch nur rund vier Stunden nach New York City). Wir lassen Rome rechts liegen und fahren kurz vor Utica (relativ kompliziert) auf die kostenpflichtige Interstate I-90 („New York State Thruway).
Wir hatten dem Navi nicht geglaubt, aber die Strassenführung ist tatsächlich so...
Der New York State Thruway, I-90
Kleines Selbstportrait...
Diese verlassen wir bei Canastota bald wieder, um über eine kleinere Strasse durch ein, zwei hübsche Dörfer zum Green Lakes State Park zu gelangen, den wir uns auf der Karte als heutiges Ziel ausgesucht hatten. 

Im Green Lakes State Park

Der Park umfasst zwei Seen, den Green Lake mit Strand und den geschützten Round Lake, in einem Tal und dazu noch etwas Umland. Dieser Camping ist wieder total anders. Die „Pine Woods Camp Site“ liegt im Wald, scheint aber vor allem Cabins zu umfassen, die „Rolling Hills Camping Area“ besteht aus einer offenen Parkwiese mit Bäumen und gleicht damit eher den „kommerziellen“ Campings, nur dass sie viel grosszügiger ist als diese und mehr Zelte aufweist.

Die "Rolling Hills" Campsite im Green Lakes State Park.
Unser Nachbar. Die Gegend, wo Salz verwendet wird, wird auch "Rust Belt" genannt...
Die Übernachtung ist im Staat New York mit 22.75 $ sogar noch günstiger als in Vermont. Dafür war die Registration einiges mühsamer. Bisher hat man sich immer mit unserer Postleitzahl zufrieden gegeben und akzeptiert, dass wir aus der Schweiz sind (keine Adresse, keine Telefonnummer bzw. sie haben jeweils irgendwelche Phantasieangaben eingefüllt). Hier bestand die junge Dame nun wirklich auf unserer Adresse und musste noch genau die Marke, Farbe und Grösse unseres Autos haben. Sie gab dann erst auf, als das System unsere (Schweizer) Autonummer partout nicht „fressen“ wollte… (die Schlange hinter uns hatte mittlerweile eine beachtliche Länge erreicht…). Wir sollten aber jetzt im System gespeichert sein, so dass wir – zumindest im Staat NY – kein solches Kabarett mehr haben.

Nach einem feinen kalten Znacht konnte ich Ozy wieder zu einem Abendspaziergang zu den Seen überreden. Diese liegen ziemlich tief in einem Tal unten und sind eiszeitlichen Ursprungs. Es sieht ein bisschen aus wie bei uns (z.B. der Gattiker Weiher), aber auch hier ist alles ein bisschen grösser: Die „Weiher“, die Bäume drum rum – z.B. eine riesige Eiche – und auch die „Trails“, die grösstenteils „rollstuhlgängig“ sind. Was mich besonders begeistert hat, ist das glasklare Wasser. So etwas haben wir  bisher erst in den Plitvicer Seen gesehen! Der Green Lake geht eher gegen türkis, der Round Lake eher gegen blau und zumindest letzterer soll über 50 m tief sein (bei einem Durchmesser von knapp 500 m). Wir erwischen grad noch das letzte Abendlicht, bevor wir wieder in unserem „Häuschen“ ankommen.

Der Green Lake schimmert durch die Bäume.
Blick auf den Round Lake mit glasklarem und ebenfalls blauem Wasser.
Hier war der Specht zugange. Wir haben ihn auch gesehen, aber er war etwas fotoscheu...
Abenstimmung über dem Green Lake.


Do, 27.8.2015: Green Lakes SP-Niagara Falls SP-Four Mile Creek State Park

Zu den Niagarafällen

Am Morgen, als wir aufwachen, regnet es und ist ziemlich grau. Dazu ist es recht kühl, so dass der Bald an unserem Klappdach vom Kondenswasser so nass ist, dass es uns auf das Bett tropft. Wir trocknen alles so gut wie möglich und packen schnell zusammen, denn wir möchten heute noch an die Niagarafälle! Es geht über den Bahnhof von Syracuse und auf dem Highway um die Stadt herum, bis wir wieder auf die gebührenpflichtige I-90 („New York Thruway“) Richtung Westen fahren. Das Wetter wird trüb und immer trüber, zum Glück reissen die Wolken nach einem kräftigen Guss dann aber wieder auf und wecken die Hoffnung auf nicht allzu schlechtes Wetter bei den Fällen. Die Landschaft ist hier zwischen den „Finger Lakes“ im Süden und dem Ontariosee im Norden ziemlich stark besiedelt. Industriezonen wechseln sich ab mit landwirtschaftlich genutzten Gebieten (mit u.a. für unsere Begriffe riesigen Maisfeldern und Weinanbau). Wir amüsieren uns immer wieder, wie nahe die Welt – in diesem Fall Manchester und Palmyra – hier beieinander liegt…

Zwischendurch machen wir an einer Raststätte halt – die WCs sind sehr schön und dazu erst noch gratis! – und tanken auch wieder mal.
Eine hübsche Raststätte an der I-90. (Vor uns übrigens ein Fiat Ducato, hier unter dem Dodge-Label).
Auch die WCs sind hübsch.
Hatte ich schon erwähnt, dass hier alles ein bisschen grösser ist? ;-) – Das betrifft auch die Pferdeanhänger. Hier werden gleich vier Pferde im Anhänger transportiert und erst noch so, dass sie sich „unterhalten“ können!


Die Fahrt um Buffalo geht recht problemlos, es ist auch immer alles sehr gut angeschrieben.

Der Niagara River

Endlich erreichen wir die beeindruckenden Brücken über den Ostarm des riesigen Niagara River, dessen Arme hier die Grand Island umspülen.
Brücke über den Ostarm des Niagara River auf die Grand Island.
Der Niagara bildet die Grenze zwischen den USA und Kanada, das heisst, dass die Fälle von beiden Staaten aus zu sehen und zu besuchen sind. Während auf amerikanischer Seite ein eher kleines Städtchen mit einem grösseren Kasino steht und der Rand der Schlucht aus Park und halber Wildnis besteht, sieht die kanadische Seite aus wie Klein-Las Vegas. Vor der Silhouette diverser Tower und Wolkenkratzer sehen wir in der Ferne eine hohe Nebelsäule aufsteigen.  Ozy biegt aber vorher noch auf einen Parkplatz ab, wo sich die beiden Einläufe und zugehörigen, ca. 13 stöckigen „Schütze“ (Tore) für das amerikanische Kraftwerk befinden (das heisst, die beiden unterirdischen Kanäle, die das Wasser 30 m unter der Stadt zum Kraftwerk führen, sind 14 m breit und ebenso 13 Stockwerke hoch!).
Blick auf den seen-breiten Niagara River. Rechts eines der Tore über dem Intake, im Hintergrund die Silhouette der kanadischen Seite, davor die Nebel der Horseshoe Falls.
Der Niagara River ist hier unterhalb der Grand Island etwa so breit wie der Lauerzer See. Am anderen Ufer sehen wir den langen Damm und die entsprechenden Tore für das kanadische Kraftwerk. Mehr als die Hälfte des Wassers wird für die Stromgewinnung abgezweigt, nachdem sich 1950 beide Länder auf eine Mindestwassermenge geeinigt haben, die noch den Fluss und damit die Niagarafälle hinunterfliessen muss (in der Nacht und im Winterhalbjahr wird diese „Restwassermenge“ auf ca. die Hälfte reduziert; wenn kein Wasser für die Elektrizitätsnutzung umgeleitet würde, wäre das Niveau des immer noch sehr beachtlichen Flusses in der Schlucht unterhalb der Fälle ca. 5 m höher!). Interessanterweise gibt es hier beim „Intake“ mit seinen auffälligen Toren keine Informationen zum Kraftwerk, sondern „nur“ zum Fort Schlosser, das im 18. Jh. die „Portage“, die Umgehungsroute um die Fälle, bewacht hat (verstreute Infos zum Niagara Power Project gibt es im Park um die Fälle, sehr ausführliche Infos im Besucherzentrum des Kraftwerks, der „Robert Moses Niagara Power Plant“).

Endlich - die Niagara Falls!

Wir kommen dem Wassernebel immer näher und fahren zum Parken über eine Brücke auf die mitten in den Stromschnellen oberhalb der Fälle liegende Goat Island („Ziegeninsel“; $ 10.- Parkgebühr. Wenn man im 4 Miles Creek Statepark Campground (und evtl. auch in einem anderen NY Statepark?) übernachtet hat, wäre das Parken gratis. Aber das erfahren wir dann erst am Abend…). Die Insel liegt zwischen den grösstenteils kanadischen „Horseshoe Falls“, die wirklich wie ein Hufeisen geformt sind, und den ziemlich geraden „American Falls“.

Jetzt endlich werden wir die Fälle von ganz nah sehen! – oder auch nicht, denn der von uns zuerst angesteuerte „Terrapin Point“, der sich über der Kante der Horseshoe Falls befinden würde, wird bis im Sommer 2016 renoviert… Den besten Blick haben für einmal die Bauleute, aber auch das, was wir durch die Absperrgitter von etwas weiter weg sehen, haut uns fast aus den Socken! Die Massen an blaugrünem Wasser (die intensive Farbe kommt anscheinend von gelösten Mineralien), die über fast gerade Kanten ca. 60 m in die Tiefe stürzen sind einfach gewaltig! Es gibt immer wieder Vergleiche zur Wassermenge von rund 2‘800 m3/s zu lesen, die da (noch) runterkommen. Ich habe sie schon wieder vergessen, aber zumindest ich kann das mit dem Verstand nicht wirklich fassen. Der Eindruck und die Mengen sind einfach zu riesig! Wir sind hin und weg und total begeistert!

Etwa 10% des Flusses gehen über die "American Falls".
Schon diese 10% sind gewaltig!
Als wir uns einigermassen gefasst haben, kaufen wir uns einen „Discovery Pass“ für stolze 38 $, der dafür die Eintritte zu 5 verschiedenen Sehenswürdigkeiten sowie die Benutzung des „Scenic Trolley“ beinhaltet, der die verschiedenen Punkte miteinander verbindet. 

Wir stürzen uns buchstäblich ins Abenteuer, indem wir zuerst die „Cave of the Winds“ besuchen. Dabei handelt es sich entgegen dem Namen „nur“ um eine Serie von Aussichtsplattformen weil die ursprüngliche Höhle unter den American Falls wegen Steinschlaggefahr schon im 19. Jh. geschlossen wurde. Es ist aber auch so noch abenteuerlich genug und vor allem straff durchorganisiert: zuerst „Badeschuhe“ fassen (Sandalen, die man dann behalten darf, der Plastiksack für die eigenen Schuhe wird gleich mitgeliefert) und anziehen, dann Fototermin vor einer Leinwand mit den Fällen (die Fotos kann man danach für $ 27.- kaufen…), per Lift hinunter in die Schlucht, einen knütsch gelben Poncho anziehen und dann rein ins Vergnügen!
Die Aussichtsplattformen sehen eher wacklig aus, werden wegen des Eises aber zu Beginn jeder Saison neu gebaut. Man kommt dabei ganz nahe an den „Breidal Veil“ – Brautschleier – genannten „Seitenwasserfall“ der American Falls heran. Da bleiben keine Schuhe und auch keine Hosenbeine trocken! (Die Ponchos reichen Ozy und mir nur gerade knapp bis unters Knie).

Zum Glück gibt's "Badschuhe"...
Wir sind nicht ganz die einzigen, die sich von der Wucht der "Brautschleierfälle" beeindrucken lassen.
Die ganz Mutigen – natürlich auch Ozy – wagen sich auf der obersten Plattform – „Hurricane Deck“ genannt, ganz in die vorderste Ecke, wo man sich vom Wasserfall abkärchern lassen kann.
Ozy am Duschen.
Die Gischt, das Brausen und der Wind der Fälle sind wieder ein gewaltiges Erlebnis! Nachdem man wieder Luft geschnappt hat, geht es gehörig geduscht per Lift wieder nach oben. Hier kann man die Fotos von vorher kaufen (inkl. digitaler Kopie, die man an einem Compi gleich per Mail verschicken kann (hat aber leider nicht geklappt. Fehler in der Mailadresse???)) und auch etwas essen (bestellen und zahlen muss man an einem Automaten). Wie erwartet war der Burger nicht besonders gut (eiskaltes Brötchen), dafür besonders teuer. Immerhin bekommt man auch hier, wie eigentlich überall, einen Becher in die Hand gedrückt, den man dann wieder füllen kann.

Nachdem wir uns gestärkt haben, besuchen wir noch die Luna Islands, eine kleine Insel, die gleich oberhalb zwischen den Bridal Veil und den American Falls im Fluss liegt. Auch die Aussicht auf den Fluss mit seinen Stromschnellen, der sich über die Kante nach unten stürzt ist wunderschön.

Nun geht es über eine Fussgängerbrücke, eine „militärische Behelfs-Eisenbrücke“, die einfach über die alte Betonbrücke gelegt wurde, weil die Bögen langsam anfangen zu bröckeln, zum Visitor Center, wo wir uns einen Film über die Niagarafälle angucken (auch im Pass inbegriffen). Danach steht natürlich der Observation Tower, eine Plattform über dem Fluss, auf dem Programm, von dem aus man einen guten Blick auf die Schlucht mit den American Falls, die ganze stark bebaute knadische Seite mit einen Teil der Horseshoe Falls und die „Rainbow Bridge“, die Grenzbrücke über die Schlucht, hat. Unten fahren die von hier oben winzig wirkenden amerikanischen „Maid of the Mist“ bzw. ein wenig grösseren kanadischen „Hornblower“ Boote, die mit blauen bzw. roten Punkten bestückt sind.

Blick von der Beobachtungsplattform auf die ca. 90 m weiter unten liegende Anlegestelle der "Maids of the Mist"-Boote. - diesmal gibt's blaue Ponchos...
Nachdem wir mit dem Lift nach unten gefahren sind, werden auch wir zu so einem Pünktchen: wir fassen den blauen Poncho und begeben uns aufs Oberdeck eines der in natura ein bisschen grösser wirkenden Boote. Und dann geht’s los! An den American Falls vorbei hinein ins „U“ der Horseshoe Falls! Wieder ist das Tosen und Brausen des Wassers Ohrenbetäubend! Vor lauter Wassernebel sieht man kaum etwas, das Schiff stampft und schlingert. So muss sich ein Sturm in einer Nussschale auf offenem Meer anfühlen! Vom Wind des herabbrausenden Wassers blasen sich die blauen Ponchos auf, so dass wir unsere und die unserer „Vordermänner“ festhalten müssen, um überhaupt noch etwas zu sehen. Das Schiff verharrt eine Weile inmitten der Fälle, bevor es abdreht und sehr viel schneller wieder flussabwärts anlegt. Wow!

Die geraden "American Falls", rechts der "Bridal Veil Fall".
Nordende der Horseshoe Falls.
Die Horseshoe Falls!
Ein etwas nasses Erlebnis...
Die "Bridal Veil Falls" mit den Plattformen des "Cave of the Winds-Adventures".
Nachdem wir uns auch von diesem Erlebnis etwas erholt haben, laufen wir unter der Rainbow Bridge hindurch. Vor dem „Discovery Center“ führt ein Lift hinab in die Schlucht zur Stelle, wo das im 20. Jh. erbaute Schoellkopf-Kraftwerk war. Zwei Drittel des Kraftwerks wurden 1956 durch die herabstürzende Felswand verschüttet. Noch heute kann man im Schuttkegel Eisen- und Betonteile sehen. Die Plattform unterhalb wird noch zum Fischen genutzt.
Schoellkopf-Kraftwerk in der Schlucht vor dem verheerenden Felssturz 1956.
So sieht es hier heute aus. Der rechte Teil des ehemaligen Kraftwerks ist unter Felsmassen begraben, der linke wurde abgebaut.
Wieder oben geht’s  zum „Discovery Center“, das auch im Ticket inbegriffen wäre, aber unter der Woche schon um halb fünf schliesst. Ozy braucht ein bisschen Überredung, bevor ich ihn noch ins Niagara Aquarium bekomme (das auch inbegriffen ist…). Das Aquarium ist nicht besonders gross, man würde aber einiges über Haie und Pinguine und diverse Fische und ihre Habitate erfahren, die zweistöckig um ein zentrales Becken angeordnet sind, wo wir dann noch eine schöne Vorführung mit einem Seelöwen geboten bekamen.

Mittlerweile ist es gegen sechs und wir sind langsam etwas fussmüde, weshalb wir den Shuttle zurück auf Goat Island nehmen. Vom Parkplatz aus laufen wir dann aber doch noch am Ufer entlang bis zu den „Three Sisters Islands“, die von der Goat Island aus über eine Brücke zugänglich sind. Zwischen wunderhübschen, grünen Inseln fliesst das Wasser wie kleine Bäche oder Flüsschen und wenn man nicht das Tosen der Fälle bis hierher hören würde und ausserhalb der äussersten Insel die Stromschnellen beobachten könnte, würde nichts darauf hindeuten, dass das Wasser hier eine trügerische Idylle schafft. Die Abendsonne bescheint den Fluss auf dessen Felsen und Untiefen sich zahlreiche Möwen, Gänse und andere Wasservögel niedergelassen haben. Die Sonne steht mittlerweile so tief, dass die Wolkenkratzer der kanadischen Seite Schatten auf die Wassernebel der Fälle werfen.

Blick von einer der "Three Sisters Islands" auf den Niagara River.
Die Möwen und eine Gans machen es sich mitten in den Stromschnellen gemütlich.
Abenstimmung über den Niagara Falls mit Schattenwurf.
Vorbei an zwei Rasenmähern (die Rasen im ganzen Park haben Golfrasenlänge) kommen wir nun endlich wieder zum Auto. Wir müssen aber noch gut 25 km flussabwärts fahren, bis wir zum Four Mile Creek State Park am Ontariosee kommen, der wieder aus einem einzigen Campground besteht. Die nächtliche Illumination der Fälle lassen wir aus.

Wir sind so spät, dass die Rezeption schon geschlossen hat, aber das macht gar nichts. Ein Plan liegt bereit und man darf sich einfach auf einen freien Platz stellen und dann am Morgen zahlen. Auch dieser Platz ist wieder sehr grosszügig angelegt und hat prima sanitäre Anlagen.
Im Four Mile Creek State Park Campground.

Fr, 28.8.2015: Niagara Falls, Ontario, Kanada

In der Nacht wurde es wieder kalt und wir haben vergessen, das Klappdach herunterzunehmen, weshalb wir am Morgen wieder eine kleine “Tropfsteinhöhle” haben.

Nach einem gemütlichen Frühstück packen wir zusammen und zahlen am Ausgang noch die Übernachtungsgebühr von 22.75 $ (trotz der Nähe zu den Fällen genau gleich viel wie die Nacht zuvor im Green Lakes SP).

Das Niagara Power Project

Zunächst möchte Ozy mehr Informationen zum Kraftwerk, weshalb wir das Besucherzentrum in der „Robert Moses Power Plant“ angucken gehen. Draussen steht eine riesige Turbine. Im Kraftwerk sind gleich deren 13 verbaut! Das Besucherzentrum ist ganz nett gemacht und vermittelt auf zwei Stöcken allerlei Wissenswertes zur Stromgewinnung im Niagara River, zur Elektrizität im Allgemeinen (diverse „Experimente“) und hat auch einen Bereich zu den lokalen Native Americans-Stämmen. Ausserdem gibt es auch eine Besucherplattform, von der aus man einen Blick auf die in die Felswände der Schlucht gebauten Kraftwerke auf amerikanischer und kanadischer Seite hat.
Das Robert Moses-Kraftwerk.
13 Turbinen dieser Grösse liefern den Strom

Die Great Gorge

Danach halten wir über zunächst über dem „Devil’s Hole“, einer Stromschnelle und dann ein wenig Flussaufwärts über dem „Whirlpool“, einer Verbreiterung und Richtungsänderung in der Schlucht, wo das Wasser dem Namen alle Ehre macht.
Wir gehen ein wenig entlang der oberen Kante, von wo aus man ab und zu zwischen den Büschen hindurch immer wieder mal einen Blick in die Schlucht und die schon von hier oben aus beeindruckenden, 100 m weiter unten tosenden „Whirlpool Rapids“ werfen kann. Diese Stromschnellen mit Wellenhöhen bis zu 5 m haben Klasse 6 und gelten damit als unbefahrbar.
Blick auf den "Whirlpool". Darüber führt auf kanadischer Seite der "Aero Car", eine Seilbahn (Anfang 20. Jh. von einem spanischen Ingenieur gebaut).
Panorama der "Great Gorge" mit den Stromschnellen.
Die Stromschnellen in der ca. 60 m tiefen Schlucht.
Auf dieser Seite könnte man über Stufen in die Schlucht hinabsteigen und entlang einem schmalen Weg entlang des Flusses gehen (ein Teil liegt auf der Trasse einer ehemaligen Strassenbahn, die unten um die Schlucht führte, bis diverse Erdrutsche für ein Ende des Betriebes sorgten). Auf kanadischer Seite gibt es allerdings den „White Water Walk“, wo man wesentlich weniger beschwerlich mit einem Lift nach unten kommt und die Stromschnellen zudem von verschiedenen Plattformen aus beobachten kann.

Wieder nach Kanada

Darum fahren wir jetzt auf die kanadische Seite. Neben der Rainbow Bridge ganz in der Nähe der Fälle gibt es ein bisschen weiter flussabwärts eine zweite grosse Grenzbrücke, die wir überqueren, weil wir uns denken, dass es hier vielleicht ein bisschen weniger lange Schlangen hat (was auch der Fall zu sein scheint). Wir gehen zuerst auf den amerikanischen Grenzposten, um uns „abzumelden“, bekommen aber den Bescheid, dass das nicht nötig sei und die Kanadier uns dann bei den Amerikanern als „ausgereist“ melden würden.
Blick von der Grenzbrücke auf den Niagara River und gegen den Ontariosee.
Der kanadische Grenzübergang.
Die kanadische Grenzwächterin, die wie an einer Mautstelle in einem Häuschen sitzt (es gibt insgesamt gut 10 „Spuren“ mit entsprechenden Häuschen), will davon aber nichts wissen. Sie stellt uns ein paar Fragen nach woher und wohin und meint dann, dass Kanada schliesslich auch „Nordamerika“ sei. Kurz, der grüne „Immigration“-Zettel der Amerikaner bleibt drin und auch am Kanadischen Stempel ändert sich nichts, so dass wir am 19. August aus „Nordamerika“ draussen sein müssen. (Früchte, Gemüse etc. haben übrigens gar nicht interessiert…).

Jetzt sind wir also wieder in Kanada!

Der "White Water Walk"

Wir fahren zunächst zum Parkplatz für den „White Water Walk“ (eigentlich Gebührenparkplätze, mit Ticket für den Walk aber gratis). Da gerade ein Bus angekommen ist und der – im Souvenirshop stationierte –  Lift nur ca. 8 Personen fasst, müssen wir noch etwas warten, bevor wir wieder in die Schlucht fahren. Auch hier sind wir wieder total fasziniert von der Kraft des Wassers!


Man ist ganz nah dran an den unbefahrbaren Stromschnellen mit ihren haushohen Wellen. Wie würde das erst donnern, wenn alles Wasser des Niagara Flusses hier herunterkäme! Entlang des Walk sind diverse Informationstafeln zum Fluss und zu den „Daredevils“ aufgestellt, die versucht haben, die Fälle und/oder die Stromschnellen in Fässern etc. herunterzuschwimmen oder sie auf einem Seil zu überqueren. Auch die braunen Schaumkronen des Flusses werden erklärt. Mit gelösten Mineralien und Lehm, aber wir haben den Verdacht, dass das nur die halbe Wahrheit ist, da auf amerikanischer Seite eindeutig „etwas“ in den Fluss geleitet wird und auch an einer Stelle des „Walk“ ganz eindeutige Röhren (mit entsprechender Geruchsbelästigung) in den Fluss gehen…

Die "kanadischen Niagarafälle"

Nach diesem beeindruckenden Erlebnis fahren wir auf der Strasse der Schlucht entlang, nur durch eine Fussgängerpromenade von der Kante getrennt. Diese Seite ist eindeutig viel stärker erschlossen als die amerikanische. Die Parkgebühren betragen im näheren Umkreis der Fälle 20 CAD, weshalb wir zum Rapidsview-Parkplatz, ca. 1.5 km oberhalb der Fälle fahren. In der Gebühr von 10 CAD ist ein free shuttle service (d.h. ein freies Mitfahren mit dem Bus) bis zum „Table Rock“, dem Hauptbesucherzentrum bei den Fällen drin, den wir auch gleich in Anspruch nehmen.

Heute ist im Gegensatz zu gestern herrliches Wetter und wir bestaunen die Fälle und den Regenbogen über die Schlucht aus nächster Nähe!
Blick auf die "American Falls"

Ozy hat im darüberliegenden Restaurant einen Platz am (Panorama-)Fenster erspäht (es ist mittlerweile auch schon halb vier) und da wir Hunger haben und die Preise nicht ganz so schlimm sind wie gestern, gönnen wir uns ein Mittagessen mit direktem Blick auf die Niagarafälle! (Erstaunlicherweise ist das Essen trotz der grandiosen Aussicht gar nicht schlecht…).
Essen mit Aussicht!
Nachdem wir uns gestärkt haben (und mit Ach und Krach dank free Wifi ein paar Mails gelesen haben), machen wir noch ein paar Schritte Richtung flussabwärts, bevor wir dann noch ein letztes Mal die Fälle passieren und dann dem Fluss aufwärts Richtung Parkplatz entlanggehen. Hier stehen noch die Gebäude der alten Kraftwerke und deren Wasserfassungen.
Griechischer Tempel? - Ein altes Kraftwerk von 1906,
Wir kommen auch am modernen Damm vorbei und gehen dann noch bis zum kanadischen Wassereinlauf, wo ebenfalls wieder die gigantischen Tore stehen (im Gegensatz zu den amerikanischen nicht komplett eingehaust, dafür ist der ganze Bereich abgesperrt).
Der kanadische Damm im Niagara River.
Die kanadischen Tore der Wasserfassung.
...danke für die Warnung ;-)
Auf den „Golfrasen“ um die Kraftwerke und den wahnsinnig grosszügig angelegten Parkplatz tummeln sich zahlreiche Möwen verschiedener Arten und mehrere Scharen von Gänsen.

Da es mittlerweile schon gegen halb acht geht und wir auch nicht mehr weit fahren mögen, lotst uns Ozy zu einem Campingplatz, den er auf der Karte gefunden hat – er hat zielsicher den Yogi Bear Jellystone Park, einen eher teuren Familiencampingplatz erwischt. Aber wir brauchen ja nur einen einfachen Platz und zudem ist der Camping Mitglied der „Good Sam Club“-Gruppe, so dass wir noch ein bisschen Rabatt bekommen und letztlich „nur“ knapp 45 CAD bezahlen. (Auch der Shop ist übrigens sehr gut assortiert…). Immerhin kann sich Ozy – mit (fast?) Vollmond neben Yogi Bear ablichten lassen.



Sa, 29.8.2015: Niagara Falls-Spanish

Die Ruhezeiten sind auf diesem Platz etwas verschieden. In der Nacht ist es länger laut, dafür ist bis um 8 Uhr Ruhe. Es wird ausgiebig zmörgelet, bevor wir gegen halb zehn auf dem QEW (Queen Elisabeth Way) Richtung Toronto fahren. Die Autobahn führt am Westende des Ontariosees entlang. Leider erhascht man nur ganz kurze Blicke auf den See, den man fast nicht vom Himmel unterscheiden kann.
Den Schildern und Werbungen nach scheint in dieser Gegend der Weinbau eine sehr grosse Rolle zu spielen und wir sehen tatsächlich auch dann und wann einmal grossflächige Rebberge.

Je näher wir Toronto kommen, desto dichter wird der Verkehr (obwohl die Gegenseite noch viel schlimmer zu sein scheint). Die Autobahn ist jetzt vierspurig mit einer extra Express-Spur für Taxis und Auto mit 2 und mehr Insassen. Wir sind sehr froh, dass wir das Navi dabei haben, denn sonst hätten wir den Weg um die Stadt (vom QEW über die 427, 403, 401) auf den Highway 400 nicht so leicht gefunden… Teilweise ist die Autobahn sechsspurig (in einer Richtung, d.h. insgesamt zwölfspurig!) und es hat viele Ausfahrten nach rechts und links.
Blick auf Toronto.
Sechsspurige Autobahn (in eine Richtung!).
Abgesehen von einem kurzen Stau kommen wir dann gut nach Norden voran. Die Strasse führt zunächst durch eine hübsche, recht hügelige Gegend („Moränenlandschaft“) und bei Barrie hat man kurz den Blick auf den grossen Lake Simcoe. Danach führt sie entlang der „Georgian Bay“ auf der Südostseite des Lake Huron. Die Gegend ist geprägt von dichten Wäldern, abgeschliffenen Felsrücken, kleinen Seen und Mooren und erinnert stellenweise stark an Schweden. Die Fahrt ist recht abwechslungsreich. Leider ist das Wetter nicht besonders toll, so dass die Gegend manchmal fast etwas düster wirkt. Die Georgian Bay ist ein UNESCO Biosphärenreservat und ist vor allem mit dem Boot zu besuchen. Fast jedes 2. Auto, das uns entgegen kommt hat denn auch wieder ein oder mehrere Kanus auf dem Dach und/oder ein Boot auf einem Anhänger mit.
Auf dem Trans Canada Highway!


Kurz vor Parry Sound fahren wir raus zum Tanken und Mittagessen. Bald darauf hört die Autobahn auf und die Strasse wird meistens „dreispurig“, d.h. eine Seite hat zwei Spuren, wobei die andere Seite die Mittelspur durchaus auch zum Überholen nutzen dürfte (der Verkehr auf der zweispurigen Seite aber Vortritt hat). Auf dem Weg überholen wir einen anderen Reisenden, einen Münchner, der mit seinem Bremach die Steigungen zu bewältigen sucht.
Um Sudbury ist die Strasse nochmals zur Autobahn ausgebaut (das letzte Stück bis Edmonton!). Wir machen einen kurzen Zwischenstopp, um uns im dortigen Walmart mit Früchten und Milch einzudecken.

Ozy hatte auf der Karte einen Campingplatz in einem Provincial Park hinter Sault Ste. Marie ins Auge gefasst, da es aber schon fünf Uhr ist, müssen wir umdisponieren. Wir finden auf der Karte einen im Dorf Spanish, direkt am Lake Huron, aber als wir ihn uns anschauen gehen, sind wir vom Anblick nicht sehr begeistert. Also fahren wir ein kleines Stück zurück bis zu einer Abzweigung, wo wir Werbung für einen anderen Camping gesehen hatten, und folgen der Schotterstrasse bis hinauf zum Water Falls Resort. Das „Resort“ mit Hütten und einem kleinen Camping liegt an einem See und einem kleinen Flüsschen mit Wasserfall. Die Übernachtung kostet 35 CAD (mit Taxes dann etwas über 38 CAD), aber wir sind müde und der Platz gefällt uns ganz gut: die Plätze für die Camper liegen am unteren See, nahe bei den Fällen und man dürfte sogar fischen. – Vielleicht machen wir ja morgen einen Ruhetag.
Die Water Falls.

Liebevoll eingerichtete "Comfort Rooms".
No comment.

Ach ja: Wir haben uns ausgerüstet!
Kanadisches "Bärenglöggli" (mit Magnet zum "stummschalten").