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Montag, 24. August 2015

Von Kanada in die USA: Halifax to Bangor

Mittlerweile sind wir schon fast eine Wochein Nordamerika. Da wir meistens entweder kein (genügendes) Netz oder zu wenig Zeit hatten, gibt es jetzt einen "Wochenrückblick" mit etwas mehr Lesestoff...

Di, 18.8.2015 (Fortsetzung)

 

Flug nach Halifax

Die Flüge mit Icelandair waren ganz ok. Die Sitze sind nicht übermässig breit, aber wenigstens hat man genug Beinfreiheit. Softdrinks sind inbegriffen, Alkoholisches und auch das Essen müsste man kaufen. Aber da wir ja im Flughafen Züri gemütlich gegessen hatten, können wir das grad noch verschmerzen.

Nach rund 3 Stunden landeten wir bei starkem Wind auf Island. Den Wind (inkl. Regen) bekommen wir nicht nur beim Landen mit, sondern auch beim Transfer zum Gate, da wir mit dem Bus fahren dürfen. Auf dem Weg treffen wir ein Schweizer Ehepaar, das hier 10 Tage mit einem gemieteten Golf ihre Flitterwochen verbringen möchte (seine Vorgabe war „sich 360 Grad drehen und nichts Menschliches sehen“…).

Keflavik Airport hat nach einer Tafel 2014 eine Auszeichnung für den besten Flughafen der Welt erhalten, aber wir fragen uns doch, wie das gegangen ist… Fairerweise muss man sagen, dass der Flughafen gerade in Renovation oder Umbau begriffen ist, was das Bild sicher auch ein bisschen verfälscht. Imerhin sind die wenigen Läden recht schön und wir gehen kurz schauen (u.a. 66th North).
Nun haben wir doch etwas Hunger und vor allem viel Zeit, drum gehen wir ins „Mathus“, wo man Sandwiches und Salate und auch etwas Warmes (Hamburger, Pizzas u.ä.) haben könnte. Leider war vor allem mein Salat schon stark am Kompostieren (obwohl er noch bis am 21. zu verkaufen gewesen wäre…) und wir sind froh, dass wir uns nicht den Magen verdorben haben.

Der Flug von Reykjavik nach Halifax hat sich dann eher gezogen. Wir glauben, das grösste Problem für uns war der Lärm. Diese „kleinen“ Flieger (Boeing 737-200) sind wohl einfach lauter als die grossen und dazu sassen wir fast zuhinterst. Wir waren jedenfalls froh, als wir dann endlich in Halifax gelandet sind.

 

Ankunft in Halifax

Bei der Einreise hat die uniformierte Dame festgestellt, dass wir – entgegen unserer Deklaration – in Form unseres verschifften Autos ja „unaccompanied goods“ mit hätten und deshalb noch am Zoll vorbei müssten (wir hatten dummerweise etwas mit der Dame geplaudert…). Nachdem wir fast als erste unsere Koffer vom Band nehmen konnten, hat sie uns freundlich zu den gestreng dreinblickenden Officers am Zoll begleitet. Diese haben dann sehr schnell festgestellt, dass ihre Kollegin etwas übereifrig war, da sie das Auto am Flughafenzoll ohne die entsprechenden Einfuhrpapiere (die wir erst morgen bei der Reederei bekommen) nicht „freigeben“ können (verzollen müssen wir es ja sowieso nicht, da es nicht in Kanada bleibt).
Immerhin sind wir vor lauter Auto drum rum gekommen, unsere Koffer zu öffnen. Es wäre wohl etwas mühsam geworden, die Metall-Spacer und drei neue Ölfilter zu erklären...

Als wir gegen neun Uhr aus dem Flughafengebäude treten, glauben wir, dass sich das Flugzeug verflogen hat. Es haut es uns fast um! Hier herrscht ein Klima wie im Regenwald! Dabei sind wir doch in Kanada!

Da der Flughafenbus erst um zehn fahren würde, nehmen wir uns ein Taxi zum "The Prince George Hotel", das wir schon von zuhause aus gebucht hatten (stark vergünstigt). Dort werden wir freundlich empfangen und der nette Herr an der Rezeption gibt uns ein Upgrade, weil wir das erste Mal in Kanada und in Halifax sind. – Wir bekommen eine Suite mit Blick auf den Hafen, „damit wir morgen den Sonnenaufgang bewundern können“.



Die Suite ist super ausgestattet – unter anderem mit einer Badewanne mit Jacuzzi – und wir bedauern nur, dass wir dieses Logis so gar nicht ausnutzen können: obwohl ein entspannendes Bad sicher schön gewesen wäre, sind wir so fertig, dass wir gleich ins riesige Bett fallen.

 

Mi, 19.8.2015: Halifax-Upper Sackville

 

Auto-Abholung

Wir haben herrlich geschlafen und freuen uns nochmals über die schöne Suite. Das einzige, was nicht geklappt hat, ist der Sonnenaufgang: als wir um halb sieben aufstehen herrscht dicker Nebel.
Dafür ist das Zmorge wunderbar und wir essen uns einmal quer durchs Buffet.

Die Aussicht "auf den Hafen mit Sonnenaufgang"...
Nach dem Zmorge Gepäck einstellen und per pedes zur Reederei, wo schon zwei Deutsche auf dem Weg nach Panama (mit VW T5 Multivan mit Euro5!!!) und ein Franzose auf dem Weg nach Kanada/USA warten (übrigens war der Standort auf der Seabridge-Karte falsch eingezeichnet, aber die Adresse hat ja gestimmt).

Alt und neu...

Die beiden Damen im Büro waren sehr freundlich und die ersten Formalitäten schnell erledigt. Dann wieder zu Fuss zum Zollbüro, wo wir – nach ein paar Fragen nach Essen, Alkohol und Waffen sowie vorgesehener Aufenthaltsdauer (man darf nicht länger als 30 Tage am Stück bleiben) den ersehnten Stempel bekommen haben. Die Deutschen haben den öffentlichen Bus genommen, der dort irgendwo fahren soll, aber wir haben uns dann doch ein Taxi geleistet, da es erstens wieder sehr heiss war – mittlerweile hat sich der Nebel fast ganz aufgelöst – und wir nun wirklich Sehnsucht nach unserem Häuschen hatten.

Die Macdonald-Bridge taucht aus dem Nebel auf.












Vom Parkplatz aus haben wir bereits unser Auto erspäht, dass hinter einem doppelten Zaun auf uns wartet!


Zuerst mussten wir aber ins Security-Büro, wo unsere Personalien aufgenommen wurden und wir Warnwesten bekamen. Erst dann wurden wir zum eigentlichen Büro auf dem Hafengelände chauffiert. Dort wieder etwas Papierkram, bevor wir endlich in Begleitung zu unserem Auto durften. Die Dame sollte mit uns schauen, ob alles in Ordnung ist. Da sie aber gleich wieder weggerufen wurde, sollten wir selber schauen. Alle Türen waren mit Zollklebern versiegelt bis auf die Beifahrertüre, worauf Ozy den Fehler machte, diese zu öffnen, um einen vorsichtigen Blick ins Innere zu werfen. Es ging keine halbe Minute, bis ein Herr angebraust kam und uns sehr deutlich darauf aufmerksam machte, dass das Auto immer noch im Besitz und in Verantwortung des Hafens sei und wir deshalb nicht das Recht hätten, auch ins Innere zu gucken. Er war zunächst etwas aufgeregt, hat sich dann aber wieder beruhigt und schliesslich sind wir drei richtig nett ins Gespräch gekommen. Es stellte sich heraus, dass er sehr viel reist und wohl mehr von Europa gesehen hat als Ozy und ich zusammen… Nachdem wir dann – wieder im Büro – erklärt haben, dass aussen alles so zerkratzt und verbeult sei wie zuvor und wir das letzte Einfuhr-Dokument erhalten haben, durften wir dann endlich das Auto wieder in Besitz nehmen.

Ozy setzt sich voller Freude hinters Steuer, dreht den Zündschlüssel, es hustet – und wird wieder still.
 Irgendjemand hat wohl den Schlüssel einen Zacken zu weit zurück gedreht gehabt (Radiobetrieb/ACC) und so die Batterie leergesaugt.  Der freundliche Herr ist gleich wieder zur Stelle (der Franzose hat an seinem Wohnmobil auch schon die Motorhaube offen…) und informiert uns, dass er uns wohl überbrücken helfen könne, das aber nicht dürfe, da hier die Mechaniker gewerkschaftlich organisiert seien… So müssen wir also noch die Mittagspause abwarten, bis endlich die Mechaniker angefahren kommen und den Motor andrehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun geht es endlich los!!!


Fahrt durch Halifax

Los geht's! - Über die Macdonald-Bridge.
Wir fahren über die Macdonald-Bridge und Richtung Nordosten, wo wir erst mal den Walmart aufsuchen, der in der Seabridge-Doku aufgeführt war. Zunächst decken wir uns mit ein paar Lebensmitteln ein, dann packt uns der pure Gwunder, was es hier alles so gibt…
Es fällt uns vor allem auf, dass hier einfach alles etwas grösser ist. Zunächst der Laden selbst, wo man vom Nuggi bis zum Gewehr und vom Pancake-Mix bis zu Deutschen Bockwürsten alles bekommt, dann aber vor allem auch die Mengen. Ozy hätte auch bei uns gerne ein Duschbad von 1 l Inhalt… Dafür stellen uns die Riesen-Milchpackungen mit unserem kleinen Kühlschrank eher vor Probleme.

Nachdem der Einkauf erledigt ist, geht’s Richtung Upper Sackville (nein, wir haben keine Hobbits gesehen), wo Ozy im KOA-Campingplatz-Verzeichnis einen Platz an einem See gefunden hat. Obwohl wir gesagt haben, dass wir nichts benötigen, bekommen wir einen Standplatz mitten zwischen den grossen Trailern voll in der Sonne zugeteilt – den wir sofort wieder gegen einen Mini-Standplatz „im Gebüsch“ nur mit Wasser umtauschen (letzterer war dann auch billiger, d.h. „nur“ noch 36 statt 40 CAD…). Wir waren dann sehr froh um den Schatten – es war mittlerweile 30 Grad! –, denn wir mussten ja noch das Häuschen aus- und die Koffer einräumen. Leider konnte man im See wegen Snapping Turtles nicht schwimmen und der kleine Pool war von Kindern belegt, aber Duschen war auch sehr ok, trotz des fast nicht vorhandenen Wasserdrucks. Wir sind beide ziemlich fertig und drum gibt’s erst mal ein kaltes Abendessen, beobachtet von Squirrel und Specht, und dann gleich Nachtruhe.

Do, 20.8.15: Upper Sackville-Fundy National Park (Point Wolfe)

 

Die Bay of Fundy

Die ersten Pancakes.
Wir hatten gesehen, dass es ein „Pancake-House“ auf dem Camping gibt, das wir natürlich sofort ausprobieren mussten. Wir kamen kurz nach Öffnung um 8.30 h und das war gut, da die Nachfrage sehr gross war. Die Pancakes waren es auch, aber leider nicht so gut.






Um die zehn sind wir dann los und gleich im nächsten Dorf, Mount Uniacke, in die grosse Irving-Tankstelle (zum Glück, das scheint eine günstigere Gegend gewesen zu sein…).

Wir hatten uns entschlossen, nicht den Highway zu nehmen und via 202 und 236 nach Truro zu fahren. Eher zufällig sind wir in der Nähe von South Maitland beim winzigen Shubenacadie-River-Museum zugefahren, angelockt von den Schildern die die „Tide Bore“ bewarben. Der Shubenacadie ist ein grosser Fluss, der im Einflussbereich der Bay of Fundy, dem Meeresarm zwischen Nova Scotia und dem Festland, liegt, wo anscheinend der grösste Tidenhub der Erde zu beobachten ist. Der grosse Fluss und seine Nebenflüsschen waren  jetzt fast nicht mehr vorhanden, die Uferbänke von einem dicken roten Schlamm bedeckt, der von einigen Besuchern zum Schlammbaden und –rutschen genutzt wurde. Wenn die Flut kommt, soll eine bis zu 2 m hohe Welle den Fluss hinaufrollen, die dann wiederum zum Wellenreiten und „Motorboot-Surfen“ einlädt. Da wir gerade die Ebbe erwischt hatten, haben wir uns das kleine Museum mit vielen interessanten Infos zum Tidenhub, der Bay of Fundy und den verschiedenen Brücken über den Fluss angesehen, bevor es uns weiterzog. .
Der Schubenacadie-River bei Ebbe. Vorne ein Pfeiler einer alten Brücke.
Schlammbaden und -rutschen ist hier sehr beliebt.
Der rote Schlamm des Schubenacadie.
Auf dem Trans Canada-Highway 104 und 102 ging's über Truro Richtung Moncton, wo wir die Welle im dortigen Fluss leider auch verpasst haben.
Nebenfluss in der Gegend von Moncton. Hier sind alle Gewässer durch den Tidenhub beeinflusst.

Also wieder auf der anderen Seite dem Fluss hinab Richtung Meer. An der Einmündung wären die Hopewell Rocks zu besichtigen. Die Felsformationen werden auch „Flowerpots“ genannt, wegen ihrer durch die Flut verursachten Form. Man könnte über Treppen bis auf den „Meeresgrund“ hinuntersteigen und zwischen den Felsen herumgehen. Da die Flut mittlerweile so weit gestiegen ist, dass wir nur ein paar Felsen im Meer gesehen hätten, haben wir uns den Eintritt in den Park gespart und sind weitergefahren.

Übrigens ist alles, aber auch gar alles Zweisprachig angeschrieben:


 

Alma und der Fundy Nationalpark

Langsam werden wir auch wieder ziemlich müde, so dass wir auf den Fundy NP zusteuern, wo es drei Campingplätze hat. Am Eingang zum Park haben wir zuerst im Dörfchen Alma Halt gemacht.

Das Städtchen Alma beim Fundy National Park. Rechts das Parkland Hotel mit Restaurant "Tide".
Da schon auf dem ganzen Weg überall Werbung für „Best Lobster in Town“ etc. zu lesen war, habe ich Ozy zu einem Restaurant-Besuch überredet… Dort haben wir zur Feier des Tages ordentlich gespachtelt: als Appetizer frittierte Clams bzw. mit Speck umwickelte Scallops, dann das „Daily Special“ mit einem halben Hummer und einem (ebenfalls mit Speck umwickelten) Rindsmedaillon mit Pommes bzw. Baked Potato. Die Softdrinks waren mit „Free-Refill“ – wir hatten unsere Gläser noch nicht fertig ausgetrunken, da war schon das nächste da.

Lobster!

Und all das mit einem herrlichen Ausblick auf die Bay of Fundy und den Hafen, wo sich die Schiffe mit der Ebbe immer mehr auf die Seite geneigt haben (die Schiffe laufen bei Niedrigwasser auf Grund bzw. roten Schlamm, gefischt werden kann nur bei Hochwasser.

Blick vom Resti auf Park und Meer.
Die Ebbe kommt, die Schiffe laufen im Hafen auf  Grund.
Nach dem tollen Znacht ging es zum Point Wolfe-Campingplatz im Fundy NP. Der Camping ist sehr schön gelegen und nur für Womos unter 7.5 m Länge bzw. Zelte nutzbar. Er hat auch „nur“ 25.50 CAD gekostet. Alle Standplätze sind „serienmässig“ mit einer Bankgarnitur und einer Feuerstelle (mit Rost und Eisenplatte fürs BBQ) ausgestattet, WCs und Dusche gibt’s auch. Am Eingang wird man gefragt, ob man Feuerholz brauche (2 CAD; man darf wegen Borken???-Käfern kein „eigenes“ mitbringen) und bekommt einen grünen und einen blauen  Abfallsack für „wet“ bzw. „dry waste“.

Standplatz auf dem Point Wolfe-Campground mit Sitzgarnitur und Feuerstelle.
Nachdem wir uns installiert haben, gab es einen wunderschönen Abendspaziergang, zuerst zur Bucht von Point Wolfe (wieder mit Ebbe), dann entlang der Klippe zur Holzbrücke über eine Schlucht. Hier stand bis Anfang 20. Jh. eine grosse Sägerei. Davon zeugen nur noch einige Hölzer von einem Damm.
Das "Gedeckte Brüggli" - es hat recht viele davon in der Gegend.
Abendstimmung über der Bucht.
Es ist Ebbe...
...und die Wasserläufer geniessen ihren Znacht.
 
An den Aussichtspunkten hat's bequeme Stühle.
Die Aussicht vom Stuhl.
Abendstimmung über der Schlucht mit Mondsichel.
Der Park wäre ein „Dark Sky Reserve“ mit eigenem Observatorium, aber davon kriegen wir dann nicht allzu viel mit, weil wir bald wieder ins Bett gehen…

Fr, 21.8.2015: Fundy NP – Nirgendwo (Nähe St. George)

 

Nach St. John

Die Squirrels sind noch vor uns wach und gegen sieben stehen wir dann auch auf. Wir zmörgelen sehr gemütlich draussen – diesmal mit „selbstgemachten“ Pancakes (Aunt Jemima sei Dank) – und verlassen den gastlichen Platz. Wir hatten gehofft, den Hastings Drive, eine unpaved road, als Abkürzung nehmen zu können, aber leider ist dieser nur als Einbahnstrasse befahrbar. Also wieder via Alma auf die 114 Richtung Highway Nr. 1. Die Strassen – vor allem die Highways – sind viel grösser als bei uns mit einem breiten grünen Mittelstreifen und führen mehr oder weniger gerade die Hügel rauf und runter. Alle Fahrzeuge fahren mehr oder weniger Maximalgeschwindigkeit von 110/120 km/h, auch die grossen Trucks mit Anhänger, Busse und die grossen Wohnmobile.
Man kann die Velos auch einfach an die Leiter hängen...
Wer zu langsam ist, wird vom Truck überholt...
...mit ca. 110 bis 120 km/h!

 

Die Reversing Falls

So gelangen wir gegen Mittag nach Saint John, wo sich die „Reversing Falls“ befinden. Hier strömt ein grosser Fluss durch eine Enge Richtung Meer. Das Flussbett mit drei Stufen befindet sich ca. 4 m über dem Ebbe-Niveau, was dazu führt, dass einmal der Fluss in Stromschnellen Richtung Meer, ab der halben Flut dann wieder zurück fliesst. In den 20 Minuten um diese „Slack Tide“ war (und ist wohl auch heute noch) der Hafen bzw. der obere Flusslauf mit Booten erreichbar, dann wird das Wasser wieder unberechenbar. Wir waren so fasziniert, dass wir auf die Slack Tide gewartet und das anschliessende Umkehren der Strömung beobachtet haben. Wir hatten grad noch so Glück mit dem Wetter – heute hat sich der Nebel nie richtig aufgelöst und wurde dann immer dichter, so dass wir die Strömungsumkehrung fast nicht gesehen hätten.
Stromschnellen zwischen den Inseln...
...und die Reversing Falls Bridge bei Ebbe.
Die Brücke über den Stromschnellen im Nebel.
Die Stomschnellen sind komplett verschwunden.    

Jetzt fliesst das Wasser stromaufwärts und bildet neue, kleinere Stromschnellen.

 

Fahrt in den Nebel

Gegen drei Uhr ging es auf der Nr. 1, die dann zur „normalen Strasse“ wird, Richtung St. George. Kurz davor zweigten wir Richtung Küste ab, wo Ozy auf der Karte einige an Buchten endende Strassen entdeckt hatte. Wir haben einige Feldwege ausprobiert, aber leider waren alle zugewachsen bevor sie wirklich ans Meer kamen. Schliesslich haben wir es uns einfach auf einem alten Holzerweg mitten im Busch bequem gemacht. Wegen der Mücken und des feuchten Wetters gab es drinnen Znacht, begleitet vom Klang des Nebelhorns in einiger Entfernung.

 

 

Sa, 22.8.2015: St. George-Lamoine SP

 

"Sehen Sie, Sie sehen nichts"

Das Nebelhorn hat die ganze Nacht getutet und tönt immer noch als wir aufwachen – trotz kurzem Regen liegt der Nebel immer noch dicht über dem Land. Nach einem gemütlichen Zmorgen meinerseits brechen wir wieder auf. Ich möchte noch die „Old Sow“, einen Gezeitenstrudel angucken, weshalb wir kurz vor St. George auf eine kleine Halbinsel fahren, von wo eine kleine Gratis-Fähre (!) auf Deer Island übersetzt. Wir haben Glück und erwischen die Fähre gerade noch.

Die kleine Fähre nach Deer Island.
Die Überfahrt dauert eine halbe Stunde und würde zwischen kleinen Felsen und Inseln hindurchführen. Leider sehen wir wegen des immer noch starken Nebels nicht kaum etwas. Auf der Fähre plaudern wir ein bisschen mit einer Dame aus St. John und erfahren, dass die Stadt und Umgebung die nebligste Gegend Kanadas seien. Auch hier herrscht nach Aussage des Kapitäns mittlerweile der 11. Tag Nebel!

Nach Ankunft fahren wir über die Insel bis an ihren südlichsten Punkt. Hier, am Deer Island Point, hat es einen kleinen, einfachen Camping. Als Besucher darf man aber auch so aufs Gelände. Hier könnte man vom Fusse eines kleinen Leuchtturms aus den Gezeitenstrudel und die nahe Küste von Maine sehen.



Leider ist der Nebel aber immer noch so dicht und tief, dass wir  beides nur erahnen können. Es würde noch eine Stunde dauern, bis Tiefwasser und bis dann das Spektakel losgeht, aber angesichts der schlechten Aussicht beobachten wir nur noch ein paar Seehunde, bevor wir uns wieder zum Auto aufmachen.
Deer Island macht ihrem Namen alle Ehre...

 

In die USA!

Wir überlegen, ob wir mit der nächsten (kostenpflichtigen) Fähre auf Campobello Island übersetzen sollen, von wo man dann über die International Bridge nach USA gelangen würde. Da wir die Fähre aber knapp verpassen, fahren wir wieder zurück und erwischen wieder gerade die nächste Fähre aufs kanadische Festland. Nun fahren wir der nebligen Küste entlang gegen St. Stephen, teils über den Highway Nr. 1 und teils über Landstrassen. Der Highway ist wieder sehr grosszügig angelegt mit einem sehr breiten Mittelstreifen.

Gegen Mittag treffen wir in der Grenzstadt ein. Wir gehen erst mal in einen „Tim Hortons“, eine Art Kaffee-Kette, wo man aber auch Herzhaftes haben kann, um uns für die Einreise in die USA zu stärken. Beim Rauskommen plaudern wir kurz mit einem „Bewunderer“ unseres Autos, bevor es nun endgültig über die Grenze geht.

Da geht's in die USA! Grenzposten St. Stephen/Calais.
Die „innerstädtischen“ Grenzposten liegen beidseits des Flusses. Bei der Ausreise gibt es jeweils gar keine Kontrolle, bei der Einreise hat es aber jeweils eine kleinere Warteschlange. Die Brücke über den Fluss ist sozusagen das „Niemandsland“. Einige in der anderen Schlange machen das Fenster auf und geben uns ThumbsUps oder äussern sich begeistert zu unserem Gefährt. Auf der amerikanischen Seite werden wir von einem freundlichen Officer begrüsst, der unsere Pässe entgegen nimmt und uns gleich auf einen Parkplatz weist, da wir noch „Paperwork“ zu erledigen hätten. Er weist Ozy auch darauf hin, dass er sein Swisstool am Gürtel besser im Auto lässt, da das Tragen von Waffen in offiziellen Gebäuden verboten sei. Im Gebäude dürfen wir die Formalitäten dann bei einem sehr ehrfurchtgebietenden Officer erledigen. Da wir kein ESTA haben, müssen wir erst mal einen grünen Zettel ausfüllen (mit den gleichen Fragen nach unserer kriminellen Vergangenheit), dann per Scanner die Fingerabdrücke beider Hände inkl. Daumen geben und freundlich in die Kamera blicken. Ozy sorgt für Heiterkeit, weil er dachte, die Kamera sei ein Retina-Scanner und ganz nahe an die Linse gegangen ist. Einer der Officers entdeckt das Etui vom Swisstool an Ozys Gürtel, aber alle sind beruhigt, als Ozy ihnen zeigt, dass die „Waffe“ nicht drin ist. Schliesslich möchte der Officer noch genau wissen, was wir in den USA wollen und vor allem wohin wir wollen. Zum Glück hat Ozy am Montag einen Termin in Bangor, nur die Frage nach dem nächsten Ziel können wir nicht wirklich beantworten. Aber schliesslich geben sie sich mit unserem generellen Reiseplan „an die Westküste, runter, rüber und wieder nach Halifax“ doch zufrieden (mittlerweile haben auch alle Officers unser Auto bewundert). Auf Ozys Frage „may weg go?“ kommt sogar ein schwaches Lächeln auf das Gesicht unseres finster wirkenden Officers und er meint „go with the wind“!

 

– Amerika, wir kommen!

Hinter der Grenze ist alles mit Stars and Stripes beflaggt (wie auch sonst überall) und wir fühlen uns nun wirklich in Amerika, auch wenn hier immer noch alles gleich aussieht, wie drüben.
Wir fahren weiter auf der Landstrasse durch Dörfer mit kleinen Läden, Werbungen für Lobster Roll und Seafood und vorbei an Blueberry Fields – wir haben genau die Erntesaison erwischt.

Da wir keine frischen Früchte und Gemüse über die Grenze bringen durften (nehmen wir mal an, aber die einzige Frage am Zoll war – neben der nach Alkohol und Zigaretten – die nach fresh fruit and vegetables), müssen wir jetzt unsere Vorräte aufstocken. Es gibt allerdings in dieser Gegend keine grösseren Läden, nur die gelegentliche Tankstelle (der Treibstoff ist hier viel billiger als in Kanada, wobei auch hier jede Tankstelle ihre eigenen Preise hat). In Machias finden wir am Dorfausgang endlich zwei Supermärkte. Wir gehen zuerst in den „FamilyDollar“, eine Art Billigladen, etwa vergleichbar mit dem ehemaligen PickPay oder Spar. Wir kaufen Getränke und Milch und ich erstehe eine etwas grössere Bratpfanne (für 7 $...) und eine kleine Gusseisenpfanne für aufs Feuer. Dann gehen wir in den Supermarkt gegenüber (Hannaford), der uns einen Kulturschock verpasstt: Biofood, frische Früchte, Gemüse, frisches Brot und eine gewaltige Auswahl an weiteren Lebensmitteln, vom Emmi Gruyère über Kimchi bis hin zu lebenden Lobstern im Aquarium). Hier decken wir uns grad nochmal ein, da wir schon wieder Hunger haben… Auf dem Parkplatz geraten wir wieder in eine nette Unterhaltung mit einem anderen Camper-Fahrer (eine verrostete Aufsetzkabine auf einem ebensolchen Dodge Ram). Unser Mobil erregt überall Aufmerksamkeit und ist perfekt, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen!

 

Peaceful Lamoine State Park

Nun geht’s weiter auf der Nr. 1 der Küste entlang Richtung Acadia Nationalpark, der auf der Mount Desert Island liegt. Die Gegend wird immer touristischer, die Dörfer und Städte grösser. Es ist hier „Maine’s most sought after vacation region“ (und das heisst etwas, denn Maine wirbt auf seinen Nummernschildern schon mit dem Slogan „vacationland“…). In Ellsworth gibt es auch wieder einen Walmart, den wir uns provisorisch mal merken. Da die Gegend offenbar sehr teuer ist, da Feriendestination der reichen Ostküstenbewohner (u.a. der Rockefellers), fragen wir uns, wo wir am besten übernachten sollen.
Ozy entdeckt schliesslich einen Wegweiser zum Lamoine State Park und wir beschliessen, dort mal vorbeizuschauen. Der Park besteht praktisch aus einem Campingplatz und wir werden freundlich von einem Ranger begrüsst. Obwohl wir nicht reserviert haben, bekommen wir einen Standplatz nicht zu weit vom Meer und „in a good neighbourhood“ wie uns der Ranger versichert. Es sieht hier sehr hübsch aus mit einer parkähnlichen Landschaft mit Wiesen, Apfelbäumen und ein bisschen Wald und die Gebühr scheint mit 27.50 $ wohl eher eine von den Günstigeren zu sein, so dass wir beschliessen, morgen einen Ruhetag einzulegen und gleich zwei Nächte zu bleiben.


"Park am Meer" mit Sitzgelegenheiten und kleinen Feuerstellen auf praktischer Höhe.

Die meisten der Plätze sind von Leuten mit Zelt belegt, nur im oberen Teil hat es einige wenige grössere Wohnmobile. Wir haben den Platz erwischt, wo man – nach Broschüre – noch „a semi-wild camping experience“ geniessen kann. Es gibt keine "Power-Hookups", d.h. keinen Strom fürs Wohnmobil, doch ist der Platz für unsere Begriffe alles andere als semi-wild: Es gibt in regelmässigen Abständen Trinkwasserhähne, es hat schöne WCs und warme Duschen. Jeder Platz ist wieder mit einer Sitzgarnitur und „Hibachi-style fireplaces“ ausgerüstet und beim Ranger kann man „bundles“ von Feuerholz kaufen. Das mache ich doch und das ca. 15 kg schwere Bündel wird mir ohne Frage von einem anderen Camper mit dem Auto direkt zu unserem Platz geliefert. – Die Leute hier sind einfach wahnsinnig nett, hilfsbereit und zuvorkommend!

Gemütlicher Standplatz im Grünen, wieder mit Sitzgarnitur und Feuerstelle.
Wir haben einen Bärenhunger und geniessen zuerst mal den Seafood, den wir uns im Hannaford gekauft haben. Danach ist die Glut bereit und es gibt Schwertfisch und Steak mit den aufgewärmten Teigwaren von gestern (der Brändi-Grill wäre super, wenn der Radius der Feuerstelle nicht zu klein für den langen Stiel wäre… Aber man kann sich ja auch mit ein paar Scheiten als Auflage behelfen…).
Kurz geduscht und dann geniessen wir unter einem Schnarchkonzert aus den anderen Zelten unsere Nachtruhe.


So, 23.8.2015: Ruhetag im Lamoine State Park

Wir werden relativ zeitig geweckt von Raben (oder Krähen), die sich über grössere Distanz miteinander unterhalten. Es gibt ein ausgiebiges Sonntagszmorge mit  selbstgemachten Blueberry-Pancakes (und normalen), bevor wir uns langsam und gemütlich auf Erkundungstour machen. 






Auf dem Gelände hat es zahlreiche Picknicktische mit Meerblick und jeweils einen Grill dabei. Es gibt hier auch eine öffentliche Einwasserungsstelle mit Parkplatz für die Autos inkl. Trailer. Die Rampe besteht hier einfach aus dem Kiesstrand, von dem man die Steine entfernt hat. Die Geländewagen fahren mit ihren Anhängern dann soweit ins Meer, bis sie ihre Gefährte ausladen können. Jetzt wissen wir, warum die meisten grösseren Autos im hinteren Bereich und auch sonst so schön verrostet sind… Wir beobachten das Einwassern von zwei Paar Jetski und einem Fischerboot (der Besitzer musste sein Boot gleich wieder aufladen, da er vergessen hatte, den Motor hochzuklappen und beim schwungvollen Einwassern wohl die Schraube und das Boot beschädigt hat). 



Da Ebbe ist, können wir recht weit den Kiesstrand entlanggehen, der von Seetang, Muschelschalen und recht vielen von Vögeln aufgebrochenen Krabben bedeckt ist. Gleich ausserhalb des Parks beginnen dann die Privatgrundstücke mit schönen Villen, deren „Strand“ von grösseren Steinen oder Seegras befreit ist
Danach begehen wir noch einen kleinen Trail, der um den Camping herum durch den Wald führt und als eine Art Waldlehrpfad angelegt ist. Am Strand sehen wir Muschelsucher, die wir darauf ansprechen. Sie kommen zwei bis drei Mal im Jahr aus dem Hinterland hierher und graben mit Harken die ca. 15 cm tief liegenden Muscheln aus. Die Muscheln müssen länger als 2 Inches, ca. 5 cm, sein, jede Person darf  ein „pack“ (ungefähr 2.5 Gallonen/rund 10 l ), d.h. einen grossen Kessel voll sammeln.


Die Muschelsucher.
Die Möwe verspeist genüsslich eine Krabbe.
Nach einem kleinen Mittagsimbiss wage ich mich dann doch noch ins Meer. Die warme Temperatur beim Hand-Hineinhalten hat etwas getäuscht. Es hat zwar immer wieder etwas wärmere Stellen, aber insgesamt dürfte es so um die 16 Grad gewesen sein…
Dann wieder ein ausgesprochen friedlicher Abend, wo wir noch den grössten Teil unseres Feuerholz-Bündels verheizen. 


Mo, 24.8.2015: Nach Bangor und Sitze einbauen

Nach einem gemütlichen Zmorgen brechen wir langsam auf. Wir hatten uns kurz überlegt, ob wir noch die Ebbe abwarten und auch Muscheln suchen gehen sollten, aber da das Wetter eher regnerisch und der Wasserstand noch viel zu hoch ist und wir die Muscheln auch nur schlecht im Kühlschrank aufbewahren könnten, beschliessen wir doch, nach einem letzten Blick aufs Meer Richtung Bangor zu fahren. 

Ozy hat mit einem Bekannten aus dem TDR-Forum, der bei einer Truck-Teile und -reparaturfirma arbeitet, organisieren können, dass er uns luftgefederte Sitze bestellt, die wir dann auch bei ihnen einbauen können. Gegen zehn sind wir dort und trefen Mike Wilson, der uns sehr nett empfängt. Die Sitze warten auf uns und nachdem wir die alten ausgebaut haben, baut Ozy im Schweisse seines Angesichts die neuen Sitze ein. Hier hat es endlich Wifi und ich etwas Zeit für den Blogeintrag...
Areal der "Freightliner of Maine Inc."
Unsere neuen Sitze, noch schön verpackt.
Die alten Sitze sind raus. Es sieht etwas leer aus im Auto...
Ozy war wieder fleissig! Die neuen Sitze sind schon drin, jetzt müssen sie noch verkabelt werden.






Dienstag, 18. August 2015

Gruss aus Island!

Wir haben grad rund zwei Stunden Aufenthalt und freies Internet - das reicht, um Euch allen einen lieben Gruss vom Flughafen Keflavik zu senden:
Blick aufs Rollfeld
Es herrscht grad das typische isländische Wetter: 10 Grad und alle fünf Minuten Regen (quer wegen des starken Windes).

Jetzt geht's los!

Nun ist es endlich soweit! Nach längerer Vorbereitungszeit sind wir mit Xaver am Flughafen "gelandet". Zuvor haben wir noch hart gearbeitet (ich bis am Sonntag - zum Glück konnte ich den genialen Feldbrand im Ziegelei-Museum noch miterleben! - und Ozy bis am Montag Abend). Dann hiess es noch Wohnung einigermassen auf Vordermann bringen, Pflanzen in Pflege geben (vielen Dank, Brigitt!), (meine) Autonummer deponieren und nicht zuletzt auch noch packen.
Da wir erst nach Verschiffung des Autos Literatur shoppen gegangen sind und Ozy noch das eine oder andere Ersatzteil angeschleppt hat (u.a. drei Ölfilter und ein 7.5 kg schweres "Bündel" Metall-Spacer für das Fahrerhaus...) ist doch ganz schön was zusammengekommen: beim CheckIn kam dann raus, dass es über 25 und knapp über 17 kg waren... (der Herr am Bagage Drop off war sehr freundlich und hat es durchgehen lassen, sonst hätten wir umpacken müssen, da das Maximalgewicht eigentlich 23 kg betragen würde). Zum Glück hatte ich nach meinen Erfahrungen in Hamburg die Boarding Passes, die wir schon gestern online organisiert haben, nicht nur aufs Handy schicken lassen, sondern auch ausgedruckt, denn in Zürich hat der Code dann nicht funktioniert. Auch nicht am Schalter... Dann noch durch den Duty Free (man muss da durch...) und gleich rein ins Sprüngli-Café, wir es uns jetzt noch gemütlich machen bis zum Abflug...