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Dienstag, 8. September 2015

Durch die Grande Prairie in die Rockies: Thunderbay bis Banff

Da wir nun einige Tage ohne Internet waren (so schön!!!), kommt leider wieder ein Monster-Bericht... Es hat aber auch ganz viele Bilder ;-)



Di, 1.9.2015: Old Fort William ON - Sandbar Lake P.P ON

Am Morgen wurden wir recht früh von den dahinziehenden Gänsescharen geweckt (die auch noch bis in die Nacht zu hören gewesen waren).

Das "Old Fort William"

Um zehn dürfen wir uns vom Besucherzentrum des Old Fort William auf den „Waldpfad“ machen, der sehr schön durch ein Wäldchen mit vielen Farnen und einigen Infotafeln angelegt ist. Ausser den elektrischen „Strassenlaternen“ erinnert nichts an die moderne Zivilisation und man begibt sich gleichsam auf eine Zeitreise ins Jahr 1816 zum rekonstruierten Haupthandelsposten der North West Company. Ein  „Voyageur“ (Trapper /Fallensteller) in entsprechender Kleidung begrüsst uns – da wir gebildet sind und Lesen und Schreiben beherrschen – als neue „Clerks“ und zeigt uns anschliessend einen Teil des Forts. Während des „Rendevouz“ im August fanden sich mit Voyageurs, Händlern, Teilhabern und Hilfskräften über 1000 Leute ein, im Winter war das Fort von rund 30 Leuten bewohnt. Vor dem eigentlichen Fort befindet sich eine kleine Sommer-Ansiedlung der Chippewa, die hier in Wigwams aus Birkenrinde wohnen (das ist offenbar der Unterschied zum ledergedeckten Tipi). 
Lager der Chippewa.
Rindengedeckter Wigwam von aussen...
...und innen.
Rekonstruierte Anlegestelle (das Fort lag eigentlich am Lake Superior).
Palisadenbewehrtes Fort mit Haupteingang.
"Hauptplatz" mit verschiedenen Gebäuden.

Besonders beeindruckt haben uns das Pelzlager mit Pelzen vom Wiesel und Marder über Biber, diverse Füchse, Waschbär, Dachs, Puma, Vielfrass, Bison und Elch bis zum Schwarzbären, die Apotheke, der Laden, die Birkenrindenwerkstatt und der Büchsenmacher.

Die Pelze gaben „Credits“ (die „Grundwährung“ war ein Biberfell, ein Rotfuchs war z.B. 2 Credits wert), die die Voyageurs im Fort gegen Waren aus dem British Empire und Vorräte eintauschen konnten (ein Pfund Butter gab es gratis dazu). Das wichtigste waren offenbar englische Wolldecken, die je nach Grösse 4 bis 8 Biberfelle wert waren. Es wurden auch bedruckte Baumwollstoffe aus Indien angeboten, diverse Eisenwaren wie Fallen, Harpunen, Kochgeräte, Werkzeuge etc.

Das Innere des Pelzlagers.
So gross wird ein Wolf!
Die Pelze werden zu handlichen Ballen von ca. 35 kg gepresst.
Die Grundwährung: ein Biberfell.
"Eisenwarenladen".
Riesen-Angelhaken für Störe und Eisen-Harpunen.
Begehrte Ware: englische Wolldecken.

In der Apotheke zeigte uns der „Doktor“, der gleichzeitig auch Teilhaber war, seine Pillen und Pulver und erklärte sehr anschaulich das Amputieren eines Beins.

In der Birkenrinden-Werkstatt wurden nicht nur Gefässe hergestellt, sondern auch Kanus. Die meisten davon waren Gross-Kanus, die ca. 12 Personen inkl. Ladung transportieren können! 

Das Kanu-Lager. Die kleine Figur links ist Ozy!
Gerollte Birenrinden-Bahnen.
Auswahl an Birkenrinden-Gefässen.

Die grosse Farm, die von zahlreichen Tieren (darunter vielen krähenden Hähnen und sehr neugierigen Ziegen) bevölkert wird, liegt ausserhalb der Palisade. Im Garten wird das geniale First Nations-System der „Three Sisters“ angewandt: zuerst pflanzt man Mais, dann ins gleiche Feld Bohnen, die sich an den Maisstengeln emporranken können und dem Boden Nährstoffe zurückgeben, und dazwischen Kürbis, der Schädlinge abhält und dem Boden Schatten spendet, so dass er nicht so schnell austrocknet.
Farmgebäude.
Garten mit "Three Sisters"-Anbaumethode.
Für Peter: Zweiteiliger Pflug für schlammige Böden.
Carport des 19. Jahrhunderts.
Eine Schneekanone ;-)
Am Mittag konnten wir unseren Hunger in der „Cantina“ stillen, wo es – unter anderem – hervorragenden Eintopf mit frischem Brot gab (leider kein Holzofenbrot, aber immerhin Vollkorn).

Weiter geht's

Nach über fünf Stunden haben wir uns dann losgerissen und uns wieder auf den Weg in die Neuzeit gemacht. Wir folgten zunächst dem Trans Canada Highway 11/17 und folgten bei der Verzweigung dann der nördlichen Route 17 (der Reiseführer fährt die Route 11 via Fort Frances, weil die „letzten 100 km davon schön sind). Wir haben aber die nördliche Route genommen, weil sie direkter ist.
Kurz nach Raith überqueren wir wieder eine Zeitzonengrenze.

Hier ein paar Impressionen von der Route 17:




Heute übernachten wir im Sandbar Provincial Park nördlich von Ignace. Es ist schon Nach-Saison und die Rezeption geschlossen. Der Park ist schön an einer felsigen Bucht gelegen und hätte einen Sandstrand mit abgetrennter Badezone. Leider hat es – trotz später Saison – immer noch zahlreiche Mücken, die uns vom Sonnenuntergang-Gucken schnell wieder ins Häuschen treiben.

Sonnenuntergang über dem Sandbar-Lake.
Und überall hat es bärensichere Kübel.

Mi, 2.9.2015: Sandbar Lake PP ON - Stausee bei Neepawa MB

Als wir nach Aufstehen (es ist nur 12 Grad!) und Morgenessen kurz nach acht zum Office kommen, ist es immer noch geschlossen, aber zu unserem Glück kommt grad ein Ranger vorbei, mit dem wir dann „das Geschäftliche“ regeln können.

Es ist ein wunderschöner, wolkenloser Morgen (der erste auf unserer Reise...) und auf dem Weg zurück zum Highway läuft uns auch noch ein Rotfuchs über den Weg.

In Dryden machen wir einen kurzen Znünihalt im Tim Horton’s. Von hier aus wird die Strecke dann schön: Der sandig-kiesige Moränenboden wird wieder durch die abgeschliffenen Felsen des Canadian Shield abgelöst und nun ergeben sich entlang der zahlreichen Flüsse und Seen wieder wunderbare, skandinavisch anmutende Aussichten.





Nach Kenora wird die Strecke immer gerader.
Bald überqueren wir die „Grenze“ zu Manitoba, die sich durch ein Besucher-Informationszentrum und eine (heute nicht bemannte) Lastwagen-Kontrollstation auszeichnet. Gleich hinter der „Grenze“ ist der Higway einige Kilometer zweispurig ausgebaut, wie um denen in Ontario Eindruck zu machen, bevor es wieder ein Stück einspurig wird.

Der Wald hört langsam auf und wird dann gegen Winnipeg fast unmerklich durch die ehemalige Prairie abgelöst. Die Strassen führen nun recht gerade durch die Ebene voller Weizen, Mais, (Soja-?)Bohnen und gelegentlichen Wiesen, die bis hinter den Horizont reichen. Die eigentlichen „Landmarken“ sind nun grosse Getreidesilos, die schon von weitem zu sehen sind. Mittlerweile ist das Thermometer auf 33 Grad geklettert.

Nach endlosen Wäldern nun die Grande Prairie.
Felder, deren Begrenzung nicht zu sehen ist.
Erntezeit...


Grosse Getreidesilo-Batterie. Es hat übrigens sehr viele Insekten, so dass man kaum mehr durch die Scheibe sieht...

Wir umfahren Winnipeg auf dem südlich vorbeiführenden Highway 100. Es ist für uns recht seltsam, mit 100 bis 110 km/h auf einer grossen, richtungsgetrennten „Autobahn“ zu fahren und immer wieder an einer Kreuzung mit Rotlicht halten zu müssen oder Bahngeleise zu überqueren.

Eine der vielen Kreuzungen um Winnipeg.
Railway X-ing

Wir möchten möglichst schnell nach Westen Richtung Jasper NP kommen, weshalb wir dem „Yellowhead Highway“ folgen, der vom Trans Canada Highway Nr. 1 nach Nordwesten Richtung Saskatoon abzweigt. Der auf der (digitalen) Karte verzeichnete Campingplatz bei Neepawa existiert nicht mehr, weshalb wir uns in der Nähe ins Gebüsch verschlaufen und für die Nacht hinstellen. Obwohl es drinnen und draussen 30 Grad sind, können wir uns leider nicht am leisen Lüftchen erfreuen, weil es hier viele Mücken hat, auch „Midgets“, die direkt durchs Mückennetz durchfliegen…

Vogel-Villa in einem Vorort.

Unser Standplatz "im Busch".


Do, 4.5.9.2015: Stausee bei Neepawa MB-Vermilion PP

Nach der gestrigen Hitze mit einer Tropennacht herrscht am Morgen dichter Nebel und es ist merklich kühler. Wir brechen gleich auf und frühstücken in einem Tim Horton’s.


Von Neepawa fahren wir die nächsten zwei Tage immer auf dem Yellowhead Highway Nr. 16 via  Saskatoon und Edmonton durch die ehemalige Prärie. Entgegen der Aussage im Reiseführer finden wir diese aber alles andere als langweilig! Wir sind begeistert von der Weite und der trotz oft riesiger Felder sehr abwechslungsreichen Landschaft, die durch viele kleine Seen und Gewässer, riesengrosse Flusstäler und oft auch leichte Hügel gegliedert wird. Die Dörfer und Flecken werden durch den Highway meist umfahren, aber kleine Industriezonen mit Landmaschinen- und Autohändlern sind trotzdem zu sehen.
Es ist Herbst und die Felder befinden sich in diversen Stadien der Aberntung. Wir staunen auch immer wieder über die riesigen Maschinen, die wir auch immer mal auf dem Highway antreffen – selbst fahrend, gezogen oder (quer!) aufgeladen!
Das Wetter ist ebenfalls sehr abwechslungsreich und reicht von Sonnenschein über dichten Nebel bis zu Regen und wieder zurück. Die vielen unterschiedlichen Wolkenformen, die sich auch auf mehrere Schichten verteilen, auflösen und zusammenballen, lassen auch den Himmel unendlich weit erscheinen.


Das Auto reicht nicht mal bis an die Reifenkante!
Der wird gezogen von einem winzig scheinenden Pickup.
Quer verladene Erntemaschine (längs wäre der Mähbalken zu breit...)

Das ganze aus der Nähe.
Eine scheinbar flache Landschaft...
...unterbrochen von riesigen Flusstälern.
Die Züge - nur mit Silowagen - sind manchmal mehrere Kilometer lang!
Und brauchen dafür auch drei Loks (ein Foto extra für Dich, Dani!)
Obwohl flach, wird die Landschaft immer wieder aufgelockert durch kleine Seen...
...und Tümpel.
Orthodoxes Kirchlein. Hierher kamen sehr viele ukranische Auswanderer.
Traktor mit zwei oder drei Reifenpaaren gefällig?
Ist der See im Weg, macht man einfach einen Damm.
Der "kleine" See ist etwa so gross wie der Zugersee...
"Schlauch-Silage".
Eine Bienenweide.
North Battleford.
Das Tal des North Saskatchewan River.



So sieht unser Kühler aus... - Deswegen haben hier viele Autos einen "Insect Screen" davor.
Der (aufgestaute) Vermilion River.


Fr, 5.9.2015: Vermilion PP - Edmonton - Obed Lake PP

Nach einem herrlich schönen Abend haben wir wieder Nebel, der mehr oder weniger tief über dem Land hängt und manchmal auch ganz verschwindet.

Sonnige Abschnitte wechseln sich ab...
...mit dickem Nebel.
Und manchmal fährt man auch einfach drunter durch.

Gegen Edmonton wird das Wetter richtig schlecht und es regnet, was die Stadt aus der Ferne nicht gerade schöner erscheinen lässt.
Kleines Verkehrschaos.
Uäääääääh!!! :-(
Weil wir gestern vorgeholt haben, haben wir Zeit, uns die West Edmonton Mall anzusehen. Trotz "Vorwarnung" haben wir einen mittleren Kulturschock! Die Mall beherbergt mehrere Vergnügungsparks, ein Kino ein Hotel, Food Courts und nebenbei auch noch ein paar Läden.
Leider finde ich auch hier nicht die passenden Jeans (die „Spaghettibeine“ haben auch hier schon Einzug gehalten, obwohl ca. 98% der Kundinnen nicht den Modelmassen entsprechen), aber wir kaufen immerhin blau-metalique-farbene Turnschuhe für Ozy und ein paar Functionwear-Shirts für uns beide.

Wir geraten vom Parkplatz direkt in die Achterbahn.
Der Food Court.
"Nachbau" von Columbus' Santa Maria.
Wer an einem Tag nicht fertig wird, kann direkt hier übernachten.
Wasserpark mit Wellenbad und Looping!-Rutschen.
Hier werden Pickups für alles gebraucht.
Weiter geht’s durch die Prärie – mittlerweile bei besserem Wetter. Diese wandelt sich nun fast unmerklich und wird wieder abgelöst durch Wälder und gelegentliche Seelein.



Beim Obed Lake Provinical Park, der fast direkt am Highway liegt, machen wir Abendhalt. Dieser Camping ist ganz einfach ausgestattet und es gibt nur ein Self-Checkin (Übernachtung CAD 11.-, Übernachtung für ein Pferd kostet CAD 2.-). Wir machen im See unsere ersten Fischversuche (die Angelrute und insbesondere der Silk sind so billig wie wir sie gekauft haben…), aber der See ist wohl zu flach. Es ist auch nur 8 Grad und wir ziehen uns bald ins warme Häuschen zurück (eine Viertelstunde später beginnt es auch wieder zu regnen).
Obed Lake.


Sa 6.9.2015: Obed Lake PP - Jasper NP (Snaring)

Heute Morgen fahren wir schon um acht Uhr los. Es war die erste Frostnacht, überall liegt Reif und das Thermometer zeigt -1 Grad.

Wie üblich herrscht wieder dicker Nebel, je nach Höhenlage der Strasse ist man mitten drin oder kurz unterhalb. In nächsten grösseren Ort, Hinton, wollen wir wieder Tim Horton’s Morgenrast machen, wobei es nicht ganz einfach wird, unsere „Kaffeetankstelle“ zu finden.

...und wieder herrscht "strichweise dichter Nebel".
Gegen halb zehn geht es weiter und der Verkehr wird gegen den Jasper Nationalpark immer dichter. Am Parkeingang wird uns dann klar, was es mit der Polizeieskorte auf sich hatte, die wir heute Morgen gesehen hatten – von Donnerstag bis und mit heute Samstag ist die Tour of Alberta, offenbar ein grosses Velorennen. Wir haben insofern Glück als dass unser Tagesziel, die Miette Hot Springs, heute wieder geöffnet und dafür der Icefield Parkway grösstenteils gesperrt ist.

Labour-Day-Wochenende...


Mittlerweile löst sich auch der Nebel langsam auf und gibt in den Löchern Blicke auf wunderbare Berge und Täler frei.
Ein Wolkenloch! - man sieht ein Spitzchen der Rockies...
Endlich ein bisschen Aussicht! Und sogar Sonne und blauer Himmel!!!
Als wir kurz nach zehn bei den Hot Springs ankommen, ist alles friedlich. Wir packen unsere Sachen und ab geht’s durch die kalte Luft ins 40 Grad warme „Schwefelwasser“ – das leider gereinigt und gechlort wird, und deshalb nicht wirklich anders riecht als unsere altbekannten Hallenbäder. Das Badepublikum ist sehr international, Schweizer treffen wir auch.

Miette Hot Springs.
Nach ca. 2 Stunden verlassen wir das gastliche Nass. Mittlerweile ist alles gestossen voll und die Leute fahren Runden auf der Suche nach einem Parkplatz. – Sie sind gar nicht begeistert, dass wir das Auto wieder abschliessen und noch die ca. 600 m entlang dem Sulphur Creek an der alten Badeanstalt vorbei bis zu den Quellen der Hot Springs gehen.
Sulphur Creek.
Die heissen Quellen - extra mit Kanal zum Finger-Reinstecken (die Quelle ist mit über 50 °C die heisseste der Rockies).

Jasper NP ist bekannt für seine vielen Tiere und auf der Fahrt nach dem Dorf Jasper läuft uns tatsächlich ein Koyote über den Weg und wir sehen Bighorn-Geissen.


Bighorn-Sheep.

Bighorn-Sheep (Weibchen und Jungtiere)

 Im Dorf ist einiges los, da das Radrennen im Park auf Grossleinwand übertragen wird. Wir finden aber einen Parkplatz und gehen Window-Shoppen und dann auch einkaufen: im Outdoor-Laden Bären Spray – gegen Unterschrift – und in einem wunderbaren grösseren Laden dann noch feine frische Sachen (er erinnert uns an die Hannafords der Ostküste und Einkauf und Rechnung fallen dann auch entsprechend aus…).

Am Bahnhof bestaunen wir die riesige alte Dampflokomotive und drei moderne Dieselloks, die 10 Minuten lang einen ca. 2 km langen Zug voller Container an uns vorbeiziehen. – Darunter gab es zusammengekoppelte Einheiten von 5 Wagen (ähnlich unsere Schnellzüge), die insgesamt 10 Stk. 40‘ Container laden können.
Alte Dampflok - das kleine Pünktchen, das davor sitzt, ist Ozy.
Moderner, kilometerlanger Zug mit doppelt gestapelten Containern und drei Loks.

Nach diesem beeindruckenden Technikerlebnis ziehen wir uns auf den Snaring-Camping „in der Wildnis“ zurück. Mittlerweile ist es nach vier Uhr. Auf meinen Wunsch drehen wir eine Runde auf dem „offiziellen“ Camping im Wald, aber natürlich ist hier schon alles besetzt. Auf dem „Overflow“, der auf einer riesigen Sandbank liegt und wo man sich einfach hinstellen kann (natürlich auch Self Register) sind die etwas versteckteren Plätze am Rand auch schon besetzt, so dass wir uns „mitten auf den Platz“ stellen. Es windet ziemlich, aber die Aussicht auf die umliegenden, teils schneebedeckten Berge ist dafür toll. Der Platz füllt sich nach und nach immer mehr, aber er ist so gross, dass wohl alle einen Platz zum Stehen finden werden.

Heute gibt es Schweinssteaks mit frischem Salat und frischem „Baguette“, zum Dessert Melonenstückchen und Trauben – mmm! Der Wind hat sich nach Sonnenuntergang mittlerweile zu einem handfesten Sturm ausgewachsen, der unseren Wagen schüttelt, aber zum Glück ist er ja stabil.
Snaring "Overflow" : ein ca. 1 km2 grosser Patz auf einer ehemaligen Sandbank.


So 7.9.2015: Jasper NP: Jasper - Maligne Valley - Snaring Campsite

Leider ist das Wetter heute Morgen – vorhersagegemäss – nicht besonders gut. War der Himmel gestern wenigstens gegen Norden noch einigermassen blau, ist heute Morgen alles bewölkt. Aber wenigstens regnet es nicht…

Wir fahren kurz nach Jasper (erfolgloses Telefon wegen Swisscom-Rechnung - die entsprechende Abteilung arbeitet nur Mo-Fr... - und neuer NP-Permit für 2 weitere Tage im gut vollen Infocenter) geht’s heute ins Maligne Valley. Am Parkplatz für den Canyon und am  – schon ziemlich ausgetrockneten – Medicine Lake (Karstsee ohne Abfluss)  vorbei bis zum Maligne Lake. Entlang des Medicine Lake sind die Spuren eines sehr grossen, beidseitigen Waldbrandes  zu sehen, der vermutlich diese Saison stattgefunden hat.
Medicine-Lake mit "Sickerlöchern" - einen anderen Abfluss hat der Karstsee nicht.
Am Maligne Lake haben wir die Bootstour wegen des nicht sehr fotogenen Wetters ausgelassen und haben dafür den 3.2 km langen Mary Schäffer Rundweg gemacht, mit Mule Deer, Squirrel und Mus ;-). Die Asiaten haben übrigens statt eines Bärenglögglis einen „Bärenradio“ dabei…
Blick über den Maligne Lake.
Mule Deer.
Die Squirrels sind unglaublich neugierig.
Im Souvenirshop: Pistolen für Pazifisten - es knallt auch so!

Auf der Rückfahrt kurzer Halt und Spaziergang am Medicine Lake und dann im Canyon bis zur 3. Brücke (auch Rundweg). Der Canyon besteht aus Kalkstein und ist sehr eng, hat auch viele Gletschertöpfe (auf Engl. Potholes, auf Franz. Marmites des Géants). Es hat aber auch sehr viele Leute…

"Maligne-Canyon" (eigentlich "nur" eine Schlucht).
Kleiner Wasserfall im Maligne Canyon.
Altes Pothole.
Danach wieder auf die Nr. 16 (wegen des dichten Verkehrs mit Verkehrsregelung bei der Einfahrt auf die Hauptstrasse!).
Da es mittlerweile gegen vier ist, beschliessen wir, wieder auf dem Snaring Campground zu übernachten und morgen dann auf dem Icefield-Parkway gegen zum Jonas Campground zu fahren.
Auf dem Weg haben wir von der Strasse aus eine kleine Elk-Herde auf einer Sandbank beobachten können. Die Leute gehen aber trotz aller Warnungen in die Nähe. Zum Glück war der Fluss dazwischen…
Elk-Herde auf einer Sandbank.

Der Platzhirsch.


Mo 8.9.2015: Jasper NP - Banff

Heute geht es wieder zuerst nach Jasper zum Telefonieren. Glücklicherweise lässt sich das Problem mit der Swisscom-Rechnung nach längerem Telefonat beheben.


Danach fahren wir auf die Nr. 93, den Icefields Parkway. LEIDER haben wir auch heute kein Wetterglück. Es könnte schlimmer sein, aber weisse Berge, bedeckt mit weissem Firn und weissen Gletschern vor wolkenbedecktem Himmel wirken einfach nicht so richtig…

Auf der Mount Edith Cavell-Road - mit beeindruckenden Bergen ringsum.

Wir biegen aber trotzdem auf die alte Strasse 93A und von da zum Mount Edith Cavell ab. Hier kann man auf einem ca. 1.6 km langen Pfad bis in die Nähe des Gletschersees unterhalb des Berges gehen. Offenbar hat es vor nicht allzu langer Zeit einen grösseren Gletscherabbruch mit Flutwelle gegeben, denn das kleine Flusstal ist mit frischem Geröll bedeckt, der ehemalige Rundweg existiert nicht mehr und auch das letzte Stück zum See ist gesperrt. Die Kulisse ist aber auch aus einiger Entfernung und ohne Sonne grandios. Die Berge und Täler wirken grösser als bei uns – vielleicht weil die Wände so steil sind? Oder wegen der klaren, eisigen Luft?
Bärenwarnungen. Es hat jedoch so viele Leute, dass wir Bärenglöggli und Bärenspray getrost im Auto lassen können...
Gletscherbedeckter Mount Edith Cavell
Wunderschön geschichtetes Eis, davor der Gletschersee.
Das wäre die Aussicht...
...und so sieht es aus... :-(
Weiter geht’s auf der Nr. 93A, die im unteren Teil in einem nicht mehr allzu tollen Zustand ist. Einmal mehr bewähren sich unsere gefederten Sitze bestens!

Kurz bevor wir wieder auf die 93 einbiegen, besuchen wir noch die Athabasca Falls, deren Wassermassen dann durch eine hübsche Schlucht mit vielen Potholes fliessen. Wie an allen „Hot Spots“ hat es auch hier wieder sehr viele Besucher. Vor allem Inder und Asiaten, die an allen denkbaren und undenkbaren Stellen Selfies machen müssen… Offenbar hat es auch immer wieder Menschen, die trotzt aller Warnungen und der entsprechenden Schilder im 2 m-Abstand über die Zäune klettern, in den Fluss fallen und dann von ihrer Familie und ihren Freunden eine Gedenktafel auf einem der Bänkli erhalten…


Juhu, ein Stückli blauer Himmel!
Caribou-Warning.
Wir fahren zu bis zum Columbia Icefield, wo wir auch den obligaten Fussmarsch zum Gletscher machen. Die Seitenmoränen des ehemals bis über den heutigen Parkplatz reichenden Gletschers sind sehr beeindruckend. Sie bestehen auch heute noch teilweise aus Eis, das unter den Geröllmassen kaum sichtbar ist. Die Gletscherzunge selbst ist stark bevölkert mit geführten Gruppen und Besuchern, die in grossen Bussen auf das Eis befördert werden. Es ist wirklich eisig kalt, der Gletscherwind bläst uns fast fort. Wir nerven uns auch über die unzähligen Steinmandli (Cairns), die die Leute überall aufbauen müssen.

Schneeberge und Gletscher mit einem Anflug von Sonnenschein.

Was die anderen können, können wir auch: Foto von Ozy vor dem Athabasca-Gletscher.

Please do not build cairns...
...egal.

Scheinbar aus Geröll bestehende Seitenmoräne. Nur der Abbruch verrät, dass hier eine dicke Eisschicht drunter ist.

Wir haben genug Menschen gehabt für heute und schenken uns das Icefield Centre. Wir fahren stattdessen weiter auf der 93 gegen Lake Louise und Banff. Dabei überqueren wir zwei fast gleich hohe Pässe (Sunwapta Pass 2035 und Bow Summit 2088).
Der Sunwapta Pass bildet die Grenze zwischen dem Jasper und dem Banff Nationalpark, aber offenbar gilt der Permit für Jasper auch für den anderen Park. Die Strasse führt durch ein wunderbares Tal, das beidseits von grandiosen Bergen und Felswänden gesäumt wird.
Haarnadelkurve? - Denkste! Hier geht es in einem grossen 180 Grad-Bogen ins Tal!


Der Mount Chephren gleicht einer Pyramide und erinnert Schwyzer aber auch irgendwie an den Mythen...

Tonnenschwerer Anhänger? - Egal! Hier wird mit ca. 130 km/h überholt! (Wir fahren schon 110...).
Kurz vor Lake Louise gelangen wir wieder auf den Trans Canada Highway Nr. 1, auf dem wir – an Lake Louise vorbei – nach Banff fahren.
Der Trans Canada Highway Nr. 1 vor grandioser Kulisse.

Da wir gelesen haben, dass der Riesen-Camping bei Banff (wieder) direkt an der Bahnlinie liegt, fahren wir zum etwas abgelegenen Two Jack Lakeside-Campingplatz, wo wir grad noch ein bzw. zwei Plätzchen für heute und morgen bekommen.

Dann geht’s diretissima nach Banff hinein, wo wir uns ein Abendessen im Steakhouse The Keg (danke für den Tip, Stift!) gönnen, inkl. Vorspeise, Dessert und einer Flasche Wein (Cabernet Sauvignon aus British Columbia)!




Banff City
Mmmmmmmm!!!
Danach machen wir noch die Upper Hot Springs unsicher. Das Bad ist noch original von den 1930er Jahren und man könnte sich auch entsprechende Badebekleidung ausleihen. Wir entspannen uns  aber ganz „modern“ im 38 Grad warmen, theoretisch auch schwefelhaltigen Wasser (auch hier zur Unkenntlichkeit verchlort). Die empfohlene Aufenthaltsdauer beträgt 10 Minuten, aber wir sind nicht die einzigen, die etwa eine Stunde im Wasser bleiben…

Panorama von den Hot Springs aus.



Nach zehn Uhr ziehen wir uns wieder auf den 16 km entfernten Camping zurück.

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